Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

08. Juli 2021, 14:00 Uhr

2047

Werner Berg*

(Elberfeld 1904 - 1981 Rutarhof)

„Der Kinderfresser“
1934
Aquarell auf Papier
48,7 x 63 cm
Monogrammiert rechts unten: W. B.
Rückseitig betitelt und datiert: "Der Kinderfresser" / 1934

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Literatur

Franz Smola (Hg.), Explosion der Farbe, Aquarelle der Sammlung Leopold, (Kat. Ausst., Werner Berg Museum Bleiburg/Pliberk, Bleiburg/Pliberk 2011), Mohorjeva Hermagoras, Klagenfurt 2011, S. 96, Abb. S. 97

Wir danken Herrn Dr. Harald Scheicher für die freundliche Unterstützung.

Schätzpreis: € 15.000 - 30.000
Ergebnis: € 15.000
Auktion ist beendet.

Wenngleich einige der frühen Aquarelle Werner Bergs auch als Vorstudien für Ölbilder anzusehen sind, sind die Mehrheit der um 1930 entstandenen Arbeiten auf Papier völlig autonome Kunstwerke, bar jeglicher dienender Funktion. Dies zeigt sich etwa in der Wahl einiger höchst origineller Motive, die ausschließlich für die Darstellung im Aquarell reserviert sind.
Wie bei kaum einem anderen Maler waren bei Werner Berg privates und künstlerisches Leben untrennbar miteinander verbunden. So gut wie alle seine Motive schöpfte der Künstler aus seinem unmittelbaren Lebensbereich, der von der schweren Arbeit am Rutarhof sowie von der ständig wachsenden Schar seiner Kinder ausgefüllt war. So besitzen viele Darstellungen, in denen vor allem seine Kinder auftreten, anekdotischen Charakter, so etwa auch im dargestellten Blatt. Hinter dem furchterregenden Titel "Der Kinderfresser" verbirgt sich ein harmloser Spaß, den sich der Freund der Familie, Curt Sachsse erlaubte, indem er gegenüber den Kindern ein gruseliges Gehabe vortäuschte, um diese zu erschrecken. Werner Berg unterstreicht das Humorvolle und zugleich Furchterregende dieser Szene durch die Übersteigerung der Mimiken. Wie in einem Comic rückt Berg das Motiv überdeutlich und nahsichtig an den Betrachter heran und erzielt durch die Übertreibung und zugleich Reduktion der Gestaltungsmittel eine humorvolle Pointe. Gerade in ihrer gestalterischen Unbekümmertheit und bewussten Annäherung an die Trivialkunst wirken diese Aquarelle auf den heutigen Betrachter besonders modern.
(Franz Smola in: „Explosion der Farbe, Aquarelle der Sammlung Leopold“, Mohorjeva Hermagoras, Werner Berg Museum Bleiburg/Pliberk, 2011, S. 92 und 96.)