Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

26. November 2013, 17:00 Uhr

0552

Anton Faistauer

(St. Martin bei Lofer 1887 - 1930 Wien)

„Blumenstillleben (Hochzeitrosen)“
1913
Öl auf Leinwand
51,5 × 50,5 cm
Monogrammiert und datiert links oben: AF 13
Bezeichnet rechts oben: Hochzeitrosen

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Schätzpreis: € 35.000 - 70.000
Ergebnis: € 50.000
Auktion ist beendet.

Der Schriftzug rechts oben im Bild ist nicht einfach zu lesen, lässt sich schließlich aber mit „Hochzeitrosen“ befriedigend entziffern. Dieser Titel passt nicht nur zur Darstellung eines üppigen Blumenstraußes voll von prallen roten Rosen sondern auch zum Jahr der Datierung: 1913 heiratete Anton Faistauer Ida Andersen, was dieses Gemälde zu einem Dokument einer großen Liebe macht.

1913 war überhaupt ein gutes Jahr: die österreichische Galerie kaufte erstmals ein Gemälde von ihm an, wichtige Sammler hatten ihn ebenso in ihre Auswahl genommen und als Maler war Faistauer als einer der bedeutendsten Vertreter des österreichischen Expressionismus nun schon etabliert. Eine intensive Zeit lag hinter ihm: enttäuschende Studienjahre an der Akademie, der Austritt und die Gründung der Neukunstgruppe gemeinsam mit Egon Schiele, die Arthur Roessler als „Initialzündung der modernen österreichischen Malerei“ bezeichnet hatte und die Befreiung von der Flächenkunst des Jugendstils. Ab 1911 gilt für Faistauer nur die Farbe, ein zumeist dunkles, geradezu geheimnisvolles Kolorit, das in unruhigen Pinselstrichen sich eigenen Raum und Symbolik verschafft.

All dies bestimmt auch das Rosenbouquet: es ist alles andere als ein statisches, wohlkomponiertes Arrangement, vielmehr scheinen die Blumen voll unachtsamer Freude in die Vase gesteckt worden zu sein, streben nach allen Seiten, sind voll Dynamik und Lebensfreude. Ihre Präsenz verstärkt der Maler durch den planen, undefinierbaren Hintergrund, eine von kontrastierenden, geradezu unwirklichen Farben bestimmte Fläche. Und in ihrer flackernden Unruhe wird noch einmal die Freude am Leben spürbar.
Später nach dem Krieg sollte Faistauer seinem Sammler Dr. Minnich schreiben: „Die Sehnsucht ist das treibende Element. Die Liebe aber schafft. Die Liebe ist alles. Wo sie dies in meinen Bildern nicht finden können, sind sie ungut.“ In diesem Bild ist alles von Liebe bestimmt. (MHH)