Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

23. April 2013, 18:00 Uhr

0044

Egon Schiele

(Tulln 1890 - 1918 Wien)

„Seitlich Liegende, aufgestützt“
1918
Kohle auf Papier
29,3 × 45,3 cm

€ 350.000

Egon Schiele
(Tulln 1890 - 1918 Wien)

Seitlich Liegende, aufgestützt, 1918
Kohle auf Papier; 29,3 x 45,3 cm
Signiert und datiert rechts unten: Egon Schiele 1918
Nachlassstempel rückseitig
Beiliegend Expertise von Prof. Dr. Rudolf Leopold vom 10. August 1997

Provenienz: Kornfeld und Klipstein, 19. Juni 1965, sale 116, lot 1055; Sotheby's London, 30. Nov. 1994, lot 157; Prof. Dr. Rudolf Leopold; von letzterem um 1995 erworben, seither österreichischer Privatbesitz

Literatur: Jane Kallir, Egon Schiele, The Complete Works, New York 1990, Nr. 2326, Abb. S. 620

"Umseitiges Photo gibt die Zeichnung eines nackten, liegenden Mädchens wieder, die ihren Kopf auf ihre linke Hand stützt. Diese Zeichnung stammt ebenso wie Signatur u. Datierung von Egon Schiele (Tulln 1890-1918 Wien) und ist in seinem letzten Lebensjahr entstanden." (Prof. Dr. Rudolf Leopold, 10. August 1997)

Mit melancholischem Gestus – die linke Hand nachdenklich an der Wange – nimmt die verträumt wirkende Liegende keinen Augenkontakt zum Betrachter auf, während sie ihre körperlichen Reize ganz unverhüllt darbietet. Eindrucksvoll zeigt diese späte Zeichnung Schieles Souveränität und Leichtigkeit im Umgang mit grafischen Strukturen. Die schwungvoll gezogene Linie bedarf keiner Korrektur. Mit sicherem Strich formt der Künstler die weichen weiblichen Rundungen der diagonal ins Bild gelegten Figur und betont ihre erotische Körperlichkeit durch eine sparsame Binnenzeichnung. Harte kantige Akzente, formale Verzerrungen und Brüche sind einem schön fließenden Lineament gewichen. Wunderbar spiegelt die Zeichnung auch Schieles ausgeprägten Sinn für Negativflächen wider: kompositionell wohlkalkuliert wird die Figur schräg auf der linken Bildhälfte platziert, der Bildgrund rechts bleibt gänzlich neutral.
Zum Zeitpunkt der Entstehung des Blattes war Schieles künstlerische Laufbahn an einen Punkt gelangt, wo er die lang ersehnte Resonanz in der Öffentlichkeit fand und künstlerische wie auch kommerzielle Erfolge feiern konnte. Nach Gustav Klimts Tod im Februar 1918 galt er als führender Künstler Österreichs. Ein Status, der sich in der 49. Ausstellung der Wiener Secession im März des Jahres bestätigte: die Schau war Schiele und seinen Künstlerfreunden gewidmet und bedeutete für ihn den eigentlichen Durchbruch. Schiele war nun vielbeschäftigt, organisierte Ausstellungen im In- und Ausland und zeigte sich künstlerisch sehr produktiv. Die spanische Grippe setzte dieser vielversprechenden Karriere ein jähes Ende. Schiele starb am 31. Oktober 1918 im Alter von 28 Jahren. (CMG)