Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

20. Juni 2018, 18:00 Uhr

0830

Arnulf Rainer*

(Baden 1929)

„Brücke“
1951
Öl auf Papier auf Leinwand; gerahmt
158 x 123 cm
Signiert, datiert und bezeichnet rechts unten: Rainer 51 "BRÜCKE"

Provenienz

Privatbesitz, Wien

Literatur

Arnulf Rainer, Abgrundtiefe. Perspektiefe, Retrospektive 1947–1997, Ausstellungskatalog, Kunsthalle Krems, Verlag Christian Brandstätter, 1997, Abb. S. 73.
Agnes Husslein-Arco, Matthias Boeckl (Hg.), Eremiten - Kosmopoliten: Moderne Malerei in Kärnten 1900-1955, Ausstellungskatalog Museum moderner Kunst Kärnten, 2004, Abb. S. 405.

€ 220.000

Die ersten, für Arnulf Rainers künstlerische Entwicklung relevanten, Arbeiten entstanden 1948/49. Diese Bleistiftzeichnungen, in teilweise auffallend großen Formaten, zeigen wundersame surreale Welten und phantastische Visionen - ganz in der Manier des, aus dem Surrealismus wachsenden, Phantastischen Wiener Realismus. Ab 1950 wurden Rainers Zeichnungen immer dichter und amorphe Zellstrukturen überwuchern den Bildraum. In letzter Konsequenz formt sich eine schwarze Fläche.

1951 ist das Jahr mit den größten stilistischen Veränderungen – weg vom gegenständlichen Surrealismus, hin zu einem Automatismus und zur Abstraktion. Mit seiner Mappe „Perspektiven der Vernichtung“, die alle Stadien bis zur schwarzen Fläche enthält, reiste Rainer gemeinsam mit Maria Lassnig im Sommer 1951 nach Paris. Die Begegnung mit André Breton brachte künstlerisch keine Erneuerung - allerdings war die Konfrontation mit der Strömung der Informellen Abstraktion ein Funke, der Rainers weitere künstlerische Ausdrucksform prägte.

Atomisationen, Zentralisationen und Vertikalisationen bestimmen seine informelle Phase. Hier reiht sich auch die vorliegende Arbeit ein. Wobei er bei diesem Werk noch einen Schritt weiter ging. Die feinnervigen, nervös aggressiven Strichbündelungen einer Zentralisation sind hier gefestigt durch breite Pinselstriche, die in sich schon die Tendenz zu der von Rainer entwickelten künstlerischen Praxis der Zumalung und Übermalung beinhalten. Das Ausloten der richtigen Relation von leerer Fläche, Farbe und Platzierung im Bildraum deutet bereits auf seine 1953/54 intensive Auseinandersetzung mit geometrischen Proportionsstudien für Farbe und Form hin. Eine Harmonie in der Gestalt und eine Aggression in der Geste – diese beiden Pole bestimmen von Beginn an die Ausdrucksform von Arnulf Rainer. In Rainers Œuvre gibt es ca. 30 als „Reduktionen“ bezeichnete Werke. Die meisten von ihnen hat er in weiterer Folge als Grundlage für seine Übermalungen verwendet. Sie erinnern an Arbeiten von Franz Kline und Robert Motherwell und waren für Rainer Zwischenstadien, um den Kontrast von bemalter und freigelassener Fläche zu testen und so zu den Übermalungen zu kommen. Dieses Werk ist eine besondere Rarität und zeigt die Aktualität Arnulf Rainers im internationalen Zeitgeist.
Die Jahre 1950 bis 1954 sind besonders hervorzuheben im Schaffen des Künstlers. Innerhalb kürzester Zeit nahm er wichtige künstlerische Strömungen auf, verarbeitete sie auf ganz eigene radikale Weise und entwickelte ab 1954 seine unabhängige Ausdrucksform - die Übermalung. (Christa Armann)