Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

19. Juni 2018, 18:00 Uhr

0333

Egon Schiele

(Tulln 1890 - 1918 Wien)

„Kauerndes Mädchen“
1917
Bleistift auf Papier
29,4 x 42,3 cm
Signiert und datiert rechts unten: Egon / Schiele / 1917
Nachlass-Stempel rückseitig

Provenienz

Nachlass des Künstlers;
Dorotheum Wien, 23. März 1973, Nr. 118;
dort erworben, seither in Privatsammlung, Deutschland

Literatur

Jane Kallir, Egon Schiele: The Complete Works, New York 1990, WV-Nr. D. 1920, S. 573, m. Abb. (dort mit den Maßen 29,4 x 41,9 cm)

€ 115.000

Die Zeichnung des "Kauernden Mädchens" stammt aus einer der künstlerisch produktivsten Phasen Egon Schieles. War er in den Jahren 1915 und 1916 durch den Militärdienst beansprucht, erlebte Schiele 1917 einen wahren Schaffensdrang, durch den eine große Anzahl von erotischen Frauendarstellungen entstanden.

Herausgelöst aus jeglichem Zusammenhang, ohne Andeutung eines Umfeldes, isoliert Schiele den weiblichen Körper und setzt das "Kauernde Mädchen" in die leere Bildfläche. Sein Interesse gilt der ungewöhnlichen Perspektive und dem besonderen Blickwinkel. Er sucht nach raffinierten Stellungen des weiblichen Körpers, die er mit sicherem Strich graphisch festhält. Aus einer extremen Vogelperspektive blickt er von oben auf sein mit Unterwäsche bekleidetes Modell, dessen Gesichtszüge nur angedeutet sind. Seine künstlerische Herausforderung liegt in der komplexen, schraubenartig in sich gedrehten Haltung des Mädchens, dessen Körper entlang einer Vertikalen in das Querformat des Blattes eingespannt ist. Mit der formalen Raffinesse von gegenläufigen Haltungs- und Blickrichtungen - die erhobenen angewinkelten Arme weisen nach oben, der gesenkte Kopf des Mädchens nach unten - wird die Figur spannungsreich in der Komposition verankert. Zugleich wird der Blick des Betrachters in einem erotisierenden Spiel von Verhüllen und Entblößen auf das Detail von Strumpfband und -halter am linken, vom unteren Bildrand fragmentierten Oberschenkel fokussiert. (Claudia Mörth-Gasser)