Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

21. Juni 2017, 18:00 Uhr

0828

Arnulf Rainer*

(Baden 1929)

„Komet haut ab“
1982
Öl, Ölkreide auf Karton; gerahmt
73 × 51 cm
Monogrammiert rechts unten: AR
Rückseitige Klebeetikette der Galerie Ulysses

Provenienz

Galerie Ulysses, Wien;
Privatbesitz, Wien

€ 26.000

„Alle Kunst ist Übermalung, ist Zerstörung. Eine Kunst ohne Zerstörung wäre eine Kunst der fortgeschriebenen Ordnung, wäre keine Kritik, sondern Legitimation.“ (Arnulf Rainer. 100 Bilder aus der Sammlung Essl, Ausstellungskatalog, Schömer-Haus, Klosterneuburg 1994/1995, S. 9)

Ab Anfang der 1970er Jahre nimmt die internationale Anerkennung Arnulf Rainers immer mehr zu. Er wird auf die Biennale in Sao Paolo eingeladen, vertritt Österreich auf der Biennale in Venedig und erhält den Großen Österreichischen Staatspreis. 1982 im Entstehungsjahr unseres Bildes werden seine Arbeiten auf der Documenta in Kassel gezeigt. In dieser Zeit beschäftigt sich der Künstler mit Übermalungen und Fingermalereien, manchmal Kombinationen aus beidem. Das Malen mit Fingern und Händen ermöglicht eine Unmittelbarkeit, einen direkten Übertrag gelebter Emotionen auf den Bildträger. Arnulf Rainer „schlägt, klatscht und wischt über die Oberfläche... gestattet sich nicht zu denken, er arbeitet zu rasch, als dass er das Bild im Detail unter Kontrolle halten kann“ (Arnulf Rainer, Ausstellungskatalog, Albertina, Wien 2014/2015).

In der „Komet haut ab“ taucht plötzlich ein grellgelb-roter Flammenschweif aus dem Dunkel. Dick pastos, fast brachial hat Arnulf Rainer die gelbe Farbe aufgetragen, einen Pigmentbatzen mit Wucht auf die Leinwand geschleudert und dann mit den Fingern Furchen gezogen. Der feinere, nach unten auslaufende Farbverlauf vermittelt den Eindruck von Geschwindigkeit. Jene Geschwindigkeit, mit der der Komet samt Schweif gleich wieder aus unserem Blickfeld verschwunden sein wird. In der vordersten Bildebene liegt ein zartes Gerüst aus schwarzen Linien, die wie ein Netz den Himmelskörper einzufangen versuchen, aber der Titel verrät, dass dies nicht gelingen wird. Was der dunkle Grund – schwarz, grün ein schmutziges Ocker und Rot – verbirgt, weiß man nicht, aber in der Kenntnis der Arbeit Arnulf Rainers vermutet man auch hier eine Auseinandersetzung mit dem nicht Sichtbaren, Verborgenen. Ein Element der Transzendenz, das der Kunst Arnulf Rainers inhärent ist. „Am Beispiel der Malerei“ möchte er „diese Art Welt verlassen...“ wie das flüchtige Gestirn (Ausstellungskatalog, Schömer-Haus, S. 9). (Sophie Cieslar)