Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

21. Juni 2017, 18:00 Uhr

0863

Arnulf Rainer*

(Baden 1929)

„Regentropf-Kopf (Gespenstl)“
1965
Mischtechnik auf Karton auf Holzplatte; gerahmt
101 × 66,4 cm
Signiert, datiert und bezeichnet links unten: A Rainer, 65, "Gespenstl", Regentropf-Kopf

Provenienz

ehemals Sammlung Wilhelm Anger;
Privatbesitz, Österreich

Literatur

Rainer, Arnulf in (Hrsg.) Otto Breicha: Hirndrang, Selbstkommentare und andere Texte zu Werk und Person mit 118 Bildbeigaben, Verlag Galerie Welz Salzburg, 1980, S. 91

€ 57.000

Surrealismus, Informel und Proportionsstudien führten Arnulf Rainer zu seinen formatfüllenden, monochromen, kontemplativen Übermalungen der 1950er Jahre. Ab 1960 veränderte und erweiterte sich seine Bildsprache und er nahm einen sichtbaren Dialog mit der darunterliegenden Geste auf.

Wahnsinn ist das innere Feuer dieser Kunst. Schizophrenie nistet in ihrem Herzen. Psychopathen sind ihre Erfinder… (Rainer, Schön und Wahn, 1967 in: Arnulf Rainer, Schriften, Ostfildern 2010, S 36)

….schrieb Rainer über die Kunst von geisteskranken Künstlern, die er selbst seit 1963 sammelt.
Aus dieser Auseinandersetzung mit einer Kunst, die tief aus dem Inneren kommt und nicht rational zu begreifen oder zu erkären ist, enstanden Arbeiten, wie die Vorliegende.

Eine surreale graphische Zeichnung ist überdeckt von aggressiven und dicht nebeneinander aufgetragenen Strichen in einer intensiven Farbigkeit. Auf diesen feinenlinigen grafischen Gesten zeigt sich durch eine breite schwarze Kontur eine Tropfenform, die sich auch als Gesicht erkennen lässt.
Spontanität, Impulsivität, Ekstase und Trance, hervorgerufen durch Drogen oder andere Stimulationsmittel, sollten in dieser phantasmagorischen Werkphase dazu beitragen sich von Tabus zu befreien und verschüttete Phantasien freizulegen. Meist waren es Köpfe, die aus solchen Offenlegungen entstanden. Der Kopf als Symbol des rationalen Denkens wird aufgebrochen und groteske, surreale und befremdende Gedanken finden einen Weg. Letzendlich ist die Farbe und die Geste gebändigt durch die schwarze Kontur. Die Titelfindung bildet den Schlusspunkt.
Es entstanden viele Papierarbeiten oft auf Architektenfolie, Millimeterpapier oder Ultraphanfolie. Diese Arbeit ist eine der seltenen auf Karton gemalten Werke aus dieser Zeit und besticht durch die außergewöhnliche Farbigkeit, die eigenwillige durchdachte Komposition und durch das große Format. Die Holzplatte wurde in der letzten Phase der Übermalung als Malgrund miteinbezogen. Dieses Werk zeigt deutlich den Übergang von gestischer Abstraktion zu einer figurativen Darstellungsweise.

Das Gesicht, die Grimasse, die Körpersprache begannen Arnulf Rainer zu interessieren. Die dynamische, impulsive, gestische Malweise der 60er Jahre mündete in weiterer Folge in den Übermalungen und Akzentuierungen seiner fotografischen Selbstporträts. (Christa Armann)