Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

21. Juni 2017, 18:00 Uhr

0864

Franz Grabmayr*

(Pfaffenberg b. Obervellach/Kärnten 1927 - 2015 Wien)

„Häuser im Waldviertel“
1979
Öl auf Leinwand; gerahmt
116 × 159 cm
Rückseitig signiert und datiert: Grabmayr 1979

Provenienz

in den 1980er Jahren direkt vom Künstler erworben;
seither Privatbesitz, Wien

Schätzpreis: € 20.000 - 40.000
Ergebnis: € 28.000
Auktion ist beendet.

Franz Grabmayr hat sich sehr intensiv mit Meisterwerken früherer Zeiten auseinandergesetzt, er hat Rembrandt mit der Lupe untersucht, in Venedig Kopien von Tizian, Tintoretto und Veronese angefertigt, die Malerei Paul Cèzannes, Vincent Van Goghs und der Fauves studiert. Die entscheidende Erkenntnis, die er gewonnen hat, ist, dass „die Farbe nicht nur aufgrund ihres Kolorits sondern ebensosehr als Material ein wesentliches Element der Malerei darstellt“ (Klaus Albrecht Schröder, Franz Grabmayr, Ausstellungskatalog, Belvedere, Wien 2002, S. 14). Und dieses Material setzt er mit all seiner Leuchtkraft in beeindruckender Pastosität ein.

Mit der Übersiedlung des Sommerateliers vom Schloss Rosenau in ein altes Bauernhaus in Oberstrahlbach bei Zwettl kommen ab 1973 neue Themen in das Werk des Künstlers. Kornmandeln und Kornfelder, Teiche und Bäume, aber auch alte Bauernhäuser in der Umgebung sind bis 1983 seine bevorzugten Motive. In vorliegendem Werk sind Häuser und Natur eng miteinander verwoben, die Mauern wachsen aus der Wiese heraus, verschmelzen mit ihrer Umgebung. Die Farben werden mit breiten Pinseln und Spachtel aufgetragen. Selbst wo wir Statisches vermuten, ist Bewegung: ein Baum, der wie im Zeitraffer zu wachsen scheint, Hausmauern, die im Sonnenlicht vibrieren, Scheunen, die sich ins Bild drängen, rote Dächer, die mit dem Gelb der blumenreichen Wiesen wetteifern. Licht und Farbe sind zu einer untrennbaren Einheit verwoben, die Bilder „leuchten über die Farben, sozusagen von innen heraus“ (Wolfgang Hingst, Franz Grabmayr. Power. Passion. Obsession, Wien 2016, S. 18). Aber sie sind ebenso Energieträger, denn Franz Grabmayers Ziel ist es auch, die Energie, die jedem Stück Natur und in diesem Fall sogar der gebauten Architektur innewohnt, festzuhalten. Somit kommt es zu einer Art „Abstraktion der Natur“ (Hingst, S. 63), Grabmayr vergeistigt und transformiert sie. “Man braucht eben Metamorphose. Man malt vor der Natur, aber man muss die Natur verwandeln, in Gestaltung, Form und Farbe.“ (Franz Grabmayr zitiert in: Hingst, S. 63) (Sophie Cieslar)