Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

29. November 2016, 18:00 Uhr

0202

Egon Schiele

(Tulln 1890 - 1918 Wien)

„Gegen den Abendhimmel“
1907
Öl auf Karton
21,7 × 15,8 cm
Signiert und datiert links unten: E. Schiele / 07.
Rückseitig eigenhändig mit Bleistift bezeichnet: "'Gegen den Abendhimmel.' Studie"
Bleistiftstudie (Selbstbildnis mit langem Haar) rückseitig

Provenienz

österreichische Privatsammlung

Literatur

Rudolf Leopold, Egon Schiele: Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Salzburg 1972, WV-Nr. 66a, S. 529;
Gianfranco Malafarina, L'Opera di Egon Schiele, Mailand 1982, Nr. 5 (o. Abb.);
Jane Kallir, Egon Schiele. The Complete Works, New York 1990, WV-Nr. 73, Abb. S. 276

€ 55.000

Egon Schiele bricht 1906 die Schule ab und inskribiert an der Wiener Akademie der Bildenden Künste, wo er sich jedoch von seinem Lehrer Christian Griepenkerl und den starren akademischen Regeln bald eingeengt fühlt. Aus Protest gegen den konservativen Kunstbetrieb tritt er 1909 aus der Akademie aus und gründet gemeinsam mit Anton Faistauer und anderen jungen Malern die "Neukunstgruppe". Zunehmend wird er von Gustav Klimt gefördert und beeinflusst. Dank Klimts Vermittlung kann er 1909 vier Bilder auf der zweiten "Internationalen Kunstschau" präsentieren, die bereits seinen persönlichen, von der akademischen Strenge befreiten Stil zeigen.

In den Jahren 1907 und 1908 malt Schiele mehrere kleinformatige Ölbilder, überwiegend Landschaftsdarstellungen, in denen sich seine eigene Bildsprache heraus zu kristallisieren beginnt. Diese kleinen, Öl auf Karton gemalten Landschaften, sind wahrscheinlich im Freien gemalt worden, eine Arbeitsweise, die für Schiele experimentellen Charakter hat und die er in späteren Arbeiten aufgeben wird. Auch die schöne Landschaftsstudie, auf deren Rückseite Egon Schiele selbst den Titel "Gegen den Abendhimmel" notiert, dürfte "en-plein-air" entstanden sein. Sie gehört zu einer Reihe von Landschaften aus dem Herbstanfang 1907, in denen der erst siebzehnjährige Künstler die Vehemenz und Spontaneität seiner Malweise weiter entwickelt. Ein resoluter, zügig und differenziert gesetzter Pinselduktus prägt dieses frühe kleine Bild. Mit breiten langen oder kurzen Strichen und kreisenden Wirbeln werden Wiesen, Hügel und Büsche dargestellt. Zu unterschiedlichen Grün-Valeurs der Wiese fügen sich verschiedene Braun- und ins Rötliche gehende Töne von herbstlich verfärbten Büschen und lassen eine schöne harmonische Gesamtfarbigkeit entstehen. Am oberen Bildrand gibt die Landschaft den Blick auf einen zart rosa gefärbten Streifen Abendhimmel frei, der dem Bild einen Hauch von romantisch-melancholischer Herbststimmung verleiht. (CMG)