Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

29. November 2016, 18:00 Uhr

0203

Carl Moll

(Wien 1861 - 1945 Wien)

„Brauerei in Lübeck“
1894
Öl auf Leinwand
66 × 53 cm
Signiert und datiert rechts unten: C. Moll 94

Provenienz

Wawra Wien, 307. Auktion, 02. - 03. 12. 1929, Nr. 47;
Dorotheum Wien, 86. Auktion, 01. - 04. 02. 1931, Nr. 119;
Privatsammlung, Wien

Ausstellung

1894 Wien, Künstlerhaus, Münchener Secession, 01. 12-17. 02., Kat.-Nr. 35;
1896 Wien, Künstlerhaus, XXIV. Jahresausstellung, 21. 03.-10. 05., Kat.-Nr. 217;
1998 Wien, Österreichische Galerie Belvedere, Kat.-Nr. 18

Literatur

Monika Fritz, Der Wiener Maler Carl Moll (1861-1945), Dissertation, Innsbruck 1962, S. 136, Nr. 22;
Hans Dichand, Astrid Gmeiner, Carl Moll. Seine Freunde - Sein Leben - Sein Werk, Salzburg 1985, sw-Abb. Nr. 34, S. 51 (Titel dort: Das Nußdorfer Bräuhaus);
G. Tobias Natter, Gerbert Frodl, Carl Moll (1861-1945), Österreichische Galerie Belvedere, Wien 1998, Abb. 18, sw-Abb. S. 11, Farbabb. O. S.

Das Gemälde wurde von Cornelia Cabuk für das Werkverzeichnis Carl Moll in der Reihe der Belvedere Werkverzeichnisse dokumentiert.

€ 35.000

Der junge Carl Moll findet in Emil Jakob Schindler einen wichtigen Mentor und Freund und gehört neben Olga Wisinger-Florian, Tina Blau, Marie Egner, Theodor von Hörmann und Hugo Darnaut zur "Schule von Plankenberg", benannt nach dem Schloss, in dem Schindler seine Schüler ab 1885 um sich sammelt. Geprägt vom österreichischen Stimmungsimpressionismus, ist Moll nach dem Tod Schindlers 1892 bestrebt, sich vom Einfluss seines Lehrers zu emanzipieren. Auf der Suche nach einer malerischen Neuorientierung verbringt er die Sommer der Jahre 1893 bis 1895 in Norddeutschland und erhält dort wesentliche Anregungen, als er in Lübeck den deutschen Maler Gotthard Kuehl kennen lernt. Dieser hat sich schon früh mit der Malweise des französischen Impressionismus auseinander gesetzt und ist für seine stimmungsvollen Darstellungen von Innenräumen bekannt, die an die Tradition der großen niederländischen Interieur-Malerei des 17. Jahrhunderts anschließen.
Wie eng und fruchtbar der Kontakt zum deutschen Maler ist, spiegelt Molls Gemälde "Brauerei in Lübeck" aus 1894 wider. Mit dem Blick in den Innenraum der Lübecker Braudiele greift Moll ein Motiv Gotthard Kuehls auf, das dieser im selben Zeitraum für sich entdeckt. Beide Maler wählen einen ähnlichen Blickpunkt und betonen die tiefenräumliche Sogwirkung aus dem dunkleren Vordergrund in den hell beleuchteten Hintergrund. Doch im Gegensatz zu Kuehl, der einen geschlossenen Innenraum darstellt, in den das Streiflicht der Sonne von der Seite und den hinteren großen Fenstern her eindringt, öffnet Moll die Tür der großen Glasfront zum sonnigen Innenhof, wo die Arbeiter mit Fässern hantieren und betont die atmosphärische Verbindung von Innen und Außen. Molls Schilderung des Arbeitsalltags in einer Brauerei am Ende des 19. Jahrhunderts ist nicht nur ein sozialhistorisches Dokument, sondern auch in der malerischen Sensibilität für Licht-Schatten-Kontraste besonders reizvoll. In einer Phase des Übergangs, an der Schwelle zum Jugendstil, - 1897 wird Moll Mitbegründer der Wiener Secession - lässt das Spiel mit Licht und Atmosphäre Wesentliches der späteren Bilder vorausahnen. (CMG)