Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

08. Juni 2016, 18:00 Uhr

0941

Robert Hammerstiel*

(Werschetz, Banat 1933 - 2020 Neunkirchen)

„Nächtliche Passanten“
1998/2000
Öl auf Leinwand; ungerahmt
100 × 110 cm
Monogrammiert und datiert rechts unten: RH 2000
Rückseitig bezeichnet und datiert: Nächtliche Passanten, 1998

Provenienz

österreichische Privatsammlung

€ 16.000 - 32.000

Die Nächtlichkeit der „Passanten“ von Robert Hammerstiel zeigt sich in ihrer Gesichtslosigkeit. Ihre Silhouetten sind in eine Dunkelheit gehüllt, die ihnen zwar Farbe und Individualität letztlich nicht nimmt, sie aber der detaillosen Monochromie überlässt- jedem seine eigene Nuance, bis auf die orangefarbene Last, die sie die Straße entlang tragen. Nur eine Figur ist in die Schwärze der Nacht getaucht, mit einem tief in die Stirn gezogenen Hut, der Identität und Intention verdecket, eilt sie dem Strom der Passanten und Fahrzeuge entgegengesetzt in das unbestimmte Nachtblau des Horizonts und taucht auch in anderen Werken Hammerstiels immer wieder als Vision auf. Während die Passanten dem Bildbetrachter bis weit in den Vordergrund sehr nahe treten, zeigt sich das Wunder der Nacht fast unscheinbar im Mittelgrund: Die Silhouette eines weiß strahlenden Engels, der Schutz, Ahnung oder Unschuld, in jedem Fall aber eine Gegenwelt zur bedrohlich bis nüchternen Nachtszene verkörpert.
Seit seinen Aufenthalten in New York (ab 1988), der dem Künstler die Stilmittel der Popart mit ihrer vorbehaltlosen Verwendung plakativ- schriller Buntheit vermittelten, setzt Robert Hammerstiel leuchtende Farbigkeit in flächigem Auftrag ein, die der äußersten Reduktion seiner figuralen Motive eine zur Wahrnehmung zwingende Expressivität beistellt. Die Stimmung einer Szene wird neben der Haltung und Komposition seiner Figuren durch wenige Hinweise auf Standort und Situation, wie hier durch Autos und Straßenbeleuchtung, dargestellt. Der Künstler konzentriert sich auf Momentaufnahmen, die Vorgeschichte und Ergebnis offenlassen und das Hier und Jetzt – die Essenz eines in jeder Hinsicht flüchtigen Daseins – thematisiert. Nicht zuletzt sind Robert Hammerstiels Werke sind von seiner banatdeutschen Abstammung und damit der Internierung und Flucht seiner Familie in den späten 1940er Jahren autobiografisch geprägt. In der Auseinandersetzung mit der Menschlichkeit und deren Bedrängnissen, aber auch deren Möglichkeiten zur Transzendenz, wird die zur Wandlung befähigende Farbintensität zum überzeugenden bildnerischen Medium (Claudia Lehner Jobst).