Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

08. Juni 2016, 18:00 Uhr

0942

Adolf Frohner*

(Groß Inzersdorf 1934 - 2007 Wien)

„o.T.“
1980er Jahre
Öl auf Leinwand; ungerahmt
160,5 × 130,5 cm
Signiert rechts unten: Frohner

Provenienz

Privatsammlung, Wien

€ 18.000 - 36.000

Stilistisch war für Adolf Frohner, der sich weitgehend autodidaktisch fortbildete, eine Parisreise prägend, die ihm durch die Unterstützung Herbert Boeckls möglich war. Hier kam er mit der Kunst der Nouveau Realistes und der Art Brut in Berührung. Mit Jean Dubuffet pflegte er ab 1967 regen Kontakt. Später war er Mitarbeiter im Atelier Daniel Spoerris. Von der Objekt- und Aktionskunst kommend – in den frühen 1960er Jahren war er gemeinsam mit Hermann Nitsch und Otto Mühl prägend für den Wiener Aktionismus – wandte er sich ab 1970 der Grafik und Malerei zu.

Im Zentrum seiner Darstellungen stehen oft gewaltsame Themen, die er auch durch eine expressive Farbgebung zu unterstreichen weiß. Die vom Mann unterdrückte und gefesselte – im übertragenen wie im wörtlichen Sinn – Frau ist Sinnbild der ungleich verteilten Geschlechterrollen. Dieser gegenüber steht die Femme fatale, die Männer zu verführen und beherrschen weiß. Auch Religion und Mythos spielen vor allem in den 1980er Jahren thematisch im Werk Adolf Frohners eine Rolle.

Vorliegendes Ölbild ist zwar vom Künstler nicht betitelt worden, dargestellt hat er aber Judith mit dem Haupt des Holofernes, ikonographisch vor allem in der Barockmalerei äußerst weit verbreitet. Die schöne Judith rettet ihr Volk vor dem brutalen und machtgierigen Feldherrn Holofernes. Sie betört ihn mit ihren Reizen, serviert ihm schweren Wein, sodass seine Sinne zusätzlich benebelt sind und schneidet ihm dann das Haupt ab. Die männliche Kraft ist durch Begierde geschwächt und das scheinbar schwache Geschlecht kann so durch List und Sinnlichkeit obsiegen. Die helle Frauengestalt hebt sich vom wild gestrichelten, bunten Hintergrund ab, der die Dramatik der Szene noch unterstreicht. Sie kämmt sich ihr Haar und blickt triumphierend auf den abgeschnittenen Kopf, den sie auf einem Teller vor sich trägt. Die wallende Haarmähne einer Frau kann durchaus als sekundäres Geschlechtsmerkmal gedeutet werden, durch das Kämmen verweist Judith noch zusätzlich darauf, dass ihre Schönheit die Übermacht des Männlichen besiegt hat. In Adolf Frohners figuraler Malerei geht es nicht um naturalistische Darstellung, sondern um Emotion und Kraft, die er mittels Farbigkeit und expressivem Strich zum Ausdruck bringt.
(Sophie Cieslar)