Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

07. Juni 2016, 18:00 Uhr

0276

Rudolf Wacker

(Bregenz 1893 - 1939 Bregenz)

„Bodenseelandschaft (Schnee im März)“
1931
Öl auf Malkarton
50 × 65 cm
Monogrammiert und datiert rechts unten: RW 3.31
Rückseitig auf Karton eigenhändig bezeichnet und betitelt: B 65 H 50 / R. Wacker / Bregenz, 18. III. 31 / "Bodenseelandschaft" / ("Schnee im März") in Bleistift

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Literatur

Max Haller, Rudolf Wacker 1893 - 1939. Biografie mit dem Oeuvre-Katalog des malerischen Werkes, Lustenau 1971, WV-Nr. 209 (o. Abb.);
Bregenzer Kunstverein (Hg.), Rudolf Wacker und Zeitgenossen. Expressionismus und Neue Sachlichkeit, Ausstellungskatalog Bregenzer Kunstverein, Kunsthaus Bregenz, 1993, Nr. 192, Abb. S. 183; Kunsthaus Bregenz, Rudolf Wacker-Archiv W 245

€ 120.000

Nach den langen Jahren in sibirischer Kriegsgefangenschaft, nimmt im Werk Wackers die vertraute Landschaft der Heimat ein wichtiges, immer wiederkehrendes Motiv ein. Besonders der Bodensee bot ihm einen notwendigen Ausgleich zu den Zwängen und Ängsten des Alltags und der anstrengenden Arbeit im Atelier. Er wählte bevorzugt jenen Ort, wo der sogenannte Bilgeribach in den See mündet und durch seine Wegführung Spannung in die Komposition bringt. Diesen Ausblick hält er 1930/1931 in einer Serie von Jahreszeitenbildern fest.

Im März 1931, wie Wacker deutlich im Bild notierte, entstand das vorliegende Gemälde. Der frühe Frühling, wo der Winter langsam der wärmeren Sonne und dem Erwachen der Natur weichen muss, war Wackers bevorzugte Jahreszeit. Die freudige Sehnsucht nach Wärme und Licht ist auch das Thema dieses Gemäldes, die lichtgetränkte Malerei hebt sich erfrischend von der kühlen Distanz seiner im Atelier komponierten Stillleben ab. Er malte direkt vor der Natur, sitzend im Schnee mit dem Ausblick auf den langsam aus seiner Winterstarre erwachenden See. Anders als im Atelier führte der Maler den Pinsel mit unbeschwerter Leichtigkeit, impulsiv gefühlt und von großer atmender Freiheit. Leuchtende Farben, in Schichten changierender Töne aufgetragen, sind hier nicht Symbolträger sondern expressive Ausdrucksmittel eines momentanen Erlebnisses. Vor allem aber ist das Bild eine Hommage an das Licht, das alles durchdringt und spielerisch seine Schatten wirft. (MHH)