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Auction: Contemporary Art

08. October 2013, 5:00 pm

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0066

Ernst Fuchs*

(Wien 1930 - 2015 Wien)

„Maibild“
1949
Radierung auf Kupfer 1. Zustand
73,4 × 72,2 cm
Signiert und datiert rechts unten: Ernst Fuchs Mai 1949
Bezeichnet links unten: Maibild

€ 2.000

Jacques Bellange (1575-1617) rückt Ende der 40-er Jahre verstärkt in das Blickfeld von Ernst Fuchs. Ja, die frühen graphischen Arbeiten ab dem Maibild orientieren sich generell an der so eigentümlichen Ausdrucksform dieses Meisters, von dem man behaupten kann, keinen Vorgänger oder Zeitgenossen seiner Art gehabt zu haben. Eine kühle, fast geschlechtslose Schilderung der Gesichter, überlange Leiber mit riesigen Becken und winzigen Köpfen, Figuren, die sich gleich Montgolfieren nicht mehr wirklich auf der Erde zu bewegen scheinen - dies sind Attribute, die Fuchs zu einer völlig neuen, höchst eigenwilligen Ausdrucksweise steigert. Das 1949 entstandene Maibild bringt, im Zusammenhang mit der heftig entbrannten Liebe zu Marie Luise ("Mia") Löblich „erotische Aspekte des sadomasochistischen Verhältnisses zum Sein“ zum Ausdruck. „Die Gefäße der Leiber verdünnen sich nach oben hin und werden immer transparenter, so daß die Kommunikation mit dem Licht, mit dem Äther möglich wird“. Eine Art „Bosch’sche Landschaft“ bilden die Gefäße zu Füßen der Figuren, die gewißermaßen „vor ihrer anthropromorphen Verwandlung“ zu sehen sind.

Schon zur Zeit des väterlichen Altwaren-Lagerplatzes hatte das Wunderkind eine besondere Vorliebe für bestimmte Materialien des Kunstdruckes entwickelt. „Ganz unbewußt und doch mit großer Bestimmtheit“ werden die ersten Abzüge des Maibildes daher "in der früher üblichen kupfergrünen Farbe" auf gelblichem Papier gedruckt. Die an den Rändern verlaufende Perforierung, in der Nägelköpfe sichtbar werden, geht auf die ursprüngliche Funktion der Kupferplatte zurück: sie war der Schanktisch-Beschlag eines Wirtshauses, und hatte sich auf eben jenem Altwaren-Lagerplatz gefunden.

(zit.: Ernst Fuchs: Zeichnungen & Graphiken aus der frühen Schaffensperiode 1942-59". Hrsg.: Friedrich Haider, Löcker Verlag, 2003)