Auction House

Auction: Old Master Paintings

20. June 2013, 4:00 pm

Object overview
Object

0012

Jan Brueghel der Jüngere

(Antwerpen 1601 - 1678 Antwerpen)

„Blumenkorb u. Tazza“
1640er Jahre
Öl auf Holz
53,5 × 82,5 cm

€ 220.000

Jan Brueghel der Jüngere
(Antwerpen 1601–1678 ebd.)
Blumenkorb und Tazza mit Blumen, 1640er Jahre
Öl auf Holz; 53,5 × 82,5 cm
Provenienz: Österreichischer Adelsbesitz
Gutachten Dr. Klaus Ertz, Lingen, 4. März 2006, liegt bei.

Der 1601 in Antwerpen geborene Maler Jan Brueghel der Jüngere, Sohn von Jan Brueghel dem Älteren, wies früh großes künstlerisches Können auf, weswegen sein Vater für ihn schon 1616 die erste Reise nach Italien plante, die er jedoch erst 1622 antrat. 1625 kehrte er nach dem Tod Jan Brueghel d.Ä. nach Antwerpen zurück um dessen Atelier zu übernehmen und erfolgreich weiterzuführen. Die Gemälde, die bis Mitte der 30er Jahre entstanden, sind noch geprägt vom unverwechselbaren Malstil des Vaters, den er in den folgenden Jahren gekonnt weiterzuentwickeln wusste und der sich, wie Dr. Klaus Ertz festhält, „durch eine größere Farbigkeit, durch eine summarische Behandlung der Details, durch den großzügiger und lockerer eingesetzten Pinselstrich“ charakterisiert.

In vorliegendem Stillleben „Blumenkorb und Tazza mit Blumen“, das die eigenständige Entwicklung des Jan Brueghel d. J. aufzeigt, kommt sein malerisches Können zum Ausdruck und zeigt „dass er wie kaum ein anderer Maler seiner Zeit an das väterliche Qualitätsniveau herankommt“. Dieser schuf ein ähnliches Blumenstillleben, das in der Komposition als Vorbild für das vorliegende Werk gilt (Jan Brueghel d.Ä., Stilleben mit Blumenkorb und Glas, 1615, Öl auf Holz, 55 × 90 cm, National Gallery, Washington, Lit: K. Ertz, Jan Brueghel d.Ä., Die Gemälde mit kritischem Oeuvrekatalog, Köln 1979, Kat. 293, FT. 372). „An diesem Vorbild, das einen Eindruck von der handwerklichen Perfektion vermittelt, ist eindeutig zu sehen, dass der Pinselstrich des Sohnes im Vergleich dazu viel temperamentvoller, schwungvoller und großzügiger im Detail ist“. Aufgrund des lockeren und großflächigeren Pinselduktus datiert Dr. Ertz das vorliegende Gemälde in die 40er Jahre des 17. Jahrhunderts.

Die Blumenstillleben in ihrer farbenprächtigen Vielfalt und qualitätsvollen Ausführung fanden schon im 17. Jahrhundert großen Anklang und mit „dem vom Vater erworbenen Talent und seinem technischen Können befriedigte Jan Brueghel d. J. auch nach dem Tode Jan Brueghels d. Ä. (1625) die große Nachfrage nach Brueghel’schen Blumenbildern. Deshalb ist das Wiederaufnehmen einer schon bekannten Blumenkomposition in damaliger Zeit auch nach Jahren durchaus üblich.“ So zählt vorliegendes Gemälde mit dem flachen Korb und dem prunkvollen manieristischen Kunstkammerobjekt, einer sogenannten Tazza, zu einer Gruppe von Werken Jan Brueghels d. J. mit zwar ähnliche Hauptmotiven, jedoch phantasievollen Variationen des floralen Schmucks, beispielsweise „Stilleben mit Blumenkorb und Pokal“ (späte 30er Jahre, Öl auf Holz, 52 × 82 cm, ehem. Dordrecht, Slg. Aardenne, Lit: K. Ertz, Jan Breughel d.J., Die Gemälde mit kritischem Oeuvrekatalog, Freren 1984, Kat. 287 mit Abb.) oder „Stilleben mit Blumenkorb und Pokal“ (30er Jahre des 17. Jh., Öl auf Holz, 64 × 93,5 cm, Szepmüveszeti Muzeum, Budapest, Lit: Ders., Kat. 288, Abb. 289 ). Als kleines verspieltes Variationsmerkmal innerhalb dieser Werkgruppe Jan Brueghels d. J. fungiert auch die Anzahl der dargestellten Marienkäfer, von welchen auf vorliegendem Gemälde einer auf der rechten Seite der Tischplatte zu erkennen ist. (vgl. Gutachten Dr. Klaus Ertz)