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Richard Gerstl

(1883, Wien - 1908, Wien) » Zur Biografie

Richard Gerstl

Richard Gerstl wird am 14.9.1883 in Wien geboren. Nach verschiedentlichem Zeichenunterricht wird er im Oktober 1898 in der Allgemeinen Malschule von Christian Griepenkerl an der Akademie der bildenden Künste aufgenommen. Er bleibt dort bis zum Sommer 1901. Im Jahre 1900 und 1901 besucht er die, bei der Jugend beliebten Sommerkurse des ungarischen Malers Simon Holòsy in Nagybànya. Er behielt Kontakt zu seinem ehemaligem Klassenkollegen Viktor Hammer, mit dem er 1904/1905 ein gemeinsames Atelier unterhielt. Der als fortschrittlich renommierte Maler Heinrich Lefler bekam 1906, bei Viktor Hammer Gerstl Doppelbildnis der Schwestern Fey zu sehen und lud ihn daraufhin ein, in seiner „Spezialschule für Malerei“ an der Wiener Akademie das Studium wieder aufzunehmen.
Im Frühjahr dieses Jahres entstanden verschiedene Landschaftsdarstellungen in der nördlichen Umgebung Wiens nach Motiven auf Grinzing und Nußdorf. Sie sind die ersten erhaltenen Beispiele von Gerstls Landschaftsmalerei. Im selben Jahr lernt der Maler Arnold Schönberg und dessen Frau Mathilde persönlich kennen, mit denen er musikalische und sonstige künstlerische Anschauungen, Vorlieben und Bewunderungen teilte. Er verbringt den Sommer 1907 gemeinsam mit den Schönbergs in Traunstein (bei Gmunden) am Traunsee. Es entstehen viele Landschaftsdarstellungen aus der dortigen Gegend. In Fortsetzung davon entstehen dann im Herbst noch einige wenige, aber ziemlich große und wichtige Wiener Ansichten. Auch den folgenden Sommer, 1908 verbringt Gerstl mit den Schönbergs am Traunsee. Nach einem Eklat mit den Schönbergs kommt es zu einem vorzeitigem Abbruch des Ferienaufenthaltes und einer Rückkehr des Malers in Begleitung von Mathilde Schönberg nach Wien in ein neues Atelier in der Liechtensteinstrasse 20.
Mathilde Schönberg verlässt Gerstl jedoch schon nach kurzer Zeit um wieder zu ihrer Familie zurückzukehren. Nach diesem Skandal verliert der Maler nicht nur seine Geliebte sondern auch seinen engen Freundes- und Bekanntenkreis. Richard Gerstl beendet seine Isolierung indem er sich in der Nacht vom 4. auf den 5. November 1908 in seinem Atelier in der Liechtensteinstrasse erhängt.
Richard Gerstl ist einer der wichtigsten und rätselhaftesten Künstler um die Jahrhundertwende in Wien. Weniger als 100 Ölbilder und Zeichnungen sind uns nach seinem Selbstmord, im Alter von 25 Jahren erhalten geblieben. Gerstl hat seine Werke nie ausgestellt.
Nach seinem Tod wurden die im Atelier befindlichen Gemälde in Kisten verpackt und bei der Spedition Rosin & Knaur eingelagert. 23 Jahre später zeigte Alois Gerstl dem Kunsthändler Otto Nirenstein Arbeiten seines Bruders und öffnete mit ihm die im Speditionslager verwahrten Kisten. Bereits im September 1931 veranstaltete Nirenstein in seiner Neuen Galerie in Wien eine erste Gerstl Ausstellung, die dann in den Jahren 1932 bis 1935 in veränderter Zusammenstellung nach München, Berlin, Köln, Aachen und Salzburg gelangte, ohne dort (bedingt durch die politischen Veränderungen) sonderlich wahrgenommen worden zu sein. Die meisten noch verkäuflichen Bilder des Nachlasses (darunter Hauptwerke) wurden schließlich von der Wiener Galerie Würthle erworben, um 1956 in Wien und im Rahmen der Biennale in Venedig gezeigt zu werden. Zehn Jahre später, 1966 fand eine Ausstellung aller damals erreichbaren Bilder in der Wiener Sezession und im Anschluss daran im Tiroler Kunstpavillion in Innsbruck statt. Aus Anlass des 100. Geburtstages des Künstlers organisierte das Historische Museum der Stadt Wien 1983/84 eine zusammenfassende Ausstellung. Eine Ausstellung so gut wie aller Bilder fand 1993 im Kunstforum der Bank Austria in Wien und 1994 im Kunsthaus in Zürich statt.Wien 1883-1908 Wien