Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

28. November 2013, 18:00 Uhr

0116

Peter Fendi

(Wien 1796 - 1842 Wien)

„Die Prinzessinnen Marie und Karoline von und zu Liechtenstein“
1840
Aquarell auf Papier
20,6 × 26 cm
Signiert und datiert rechts unten: Fendi den 10. August 1840

Provenienz

Privatbesitz, Österreich

Literatur

vgl. Kaiser Franz Josef Jubiläums-Ausstellung. Altwiener Malerei, München 1911, Nr. 111; Grünstein, S. 384; Hans Ankwicz von Kleehoven, Peter Fendi, in: Kunst dem Volk, 14. Jg. Wien, März 1943, S. 9, Abb.; Peter Fendi. 1796-1842, Ausstellungskatalog, Österreichische Galerie, Oberes Belvedere, Wien, Mai/Sept. 1963, S. 24, Nr. 44, Abb. 22

€ 15.000

Fendi zählt neben Danhauser und Waldmüller zu den wichtigsten Künstlern des Wiener Biedermeier. Er wurde 1796 in Wien als Sohn eines Privatlehrers geboren. Schon früh zeigte sich Fendis künstlerisches Talent, 1810 wurde er schließlich Schüler der k.k. Zeichnungsakademie. Fischer, Maurer und Lampi zählten dort zu seinen Lehrern. Nach dem frühen Tod seines Vaters wurde Fendi von dem Augenarzt und Sammler Joseph Barth tatkräftig unterstützt. Durch Barths Vermittlung kam Fendi mit dem Präsidenten der Akademie, Anton Graf Lamberg-Sprinzenstein, in Kontakt. Dieser erteilte ihm den Auftrag, seine Sammlung von antiken Vasen zu kopieren. 1818 wurde Fendi Kabinettzeichner des Münz- und Antikenkabinetts, wo an die 2000 Blätter mit Kopien antiker Kunstwerke entstanden. Der Direktor des Münz- und Antikenkabinetts, Moritz Graf Dietrichstein empfahl Fendi ab 1833 bei Hofe, wo er sich die Gunst der Kaiserin Karolina Augusta und der Erzherzogin Sophie erwarb und in der Folge zu einem der gefragtesten Porträtisten des Wiener Hochadels avancierte.

Neben den Porträts nahmen in Fendis Oeuvre die Kinderdarstellungen eine wichtige Stellung ein. Junge Mütter mit pausbäckigen Kindern erfreuten sich schon zu seinen Lebzeiten größter Beliebtheit und sein Ruf in diesem Genre war so gut, dass neben dem Fürsten von und zu Liechtenstein auch der Staatskanzler Metternich, Fürst Schwarzenberg, die Familien Auersperg, Kinsky, Czernin und andere zu seinen Sammlern und Gönnern zählten.

Bei vorliegendem Aquarell handelt es sich um eine Wiederholung des Blattes aus der Sammlung des Fürsten Liechtenstein in Vaduz (22 x 25 cm, signiert und datiert wie obiges). Die Abweichungen in der Darstellung sind minimal und beschränken sich auf unwesentliche Details. Künstlerisch ist unser Blatt ein kleines Meisterwerk der Aquarellkunst. Die beiden Prinzessinnen sitzen bei geöffnetem Fenster an einem Tisch, eines der Mädchen liest aus einem Buch, die Schwester hört aufmerksam zu. Wie zufällig sind am Tisch ein buntes Tuch, Schatullen und ein Körbchen angeordnet. Der Blick durch das Fenster zeigt eine üppige Parklandschaft. Mit lockerem Pinselstrich gemalt, gelang es Fendi eine sehr vertraute Szene darzustellen, die Ruhe ausstrahlt und das Lebensgefühl des Biedermeier spürbar macht. (MS)