Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

28. November 2013, 18:00 Uhr

0136

Theodor von Hörmann

(Imst/Tirol 1840 - 1895 Graz)

„Blick auf den schneebedeckten Ätna von Taormina aus“
1894
Öl auf Leinwand
71 × 102,5 cm
Signiert links unten: THEOD. v. HÖRMANN
Rückseitig alte Bezeichnung

Provenienz

Dorotheum Wien, 30.11.2005, Nr. 181; Privatbesitz, Wien

Ausstellung

1895, Nachlass-Ausstellung, Künstlerhaus Wien; 1905 Künstlerbund Innsbruck

Literatur

Katalog der Nachlass-Ausstellung, Künstlerhaus Wien, 1895, Nr. 93; Katalog der Nachlass-Auktion, Secession Wien, 1899, Nr. 26; Marianne Hussl-Hörmann, Theodor von Hörmann. Monographie und Werkverzeichnis, Auktionshaus im Kinsky (Hg.), Wien 2013, WV-Nr. I.411

€ 40.000

Theodor von Hörmann zählt neben Anton Romako und Carl Schuch zu jenen ungewöhnlichen Künstlerpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts, die unnachgiebig und gegen den Geschmack des Kunstmarktes neue Möglichkeiten der Malerei ausloteten und neue Wege in die Moderne nach 1900 eröffneten. Nach einer militärischen Berufslaufbahn beschäftigte sich Hörmann in seiner nur kurzen Schaffenszeit ausschließlich mit dem Phänomen Wirklichkeit, was ihn zu einer erstaunlichen Vielfalt von malerischen Techniken und Stilmitteln anregte, zu denen auch die Rezeption des französischen Impressionismus gehörte.

Im Juni 1894 unternahm Theodor von Hörmann bereits von Krankheit gezeichnet gemeinsam mit seiner Frau Laura und den beiden Künstlerfreunden Josef Engelhart und Johann Viktor Krämer eine mehrmonatige Reise nach Sizilien. Sie folgten der Einladung von Adolf Fischer, einem Freund Krämers und späteren Gründer des ostasiatischen Museums in Köln, der in der Nähe von Taormina eine Villa besaß. Für Hörmann sollte es vor allem eine Erholungsreise sein, doch die ungewohnte Hitze und die strapaziösen Tagestouren auf Eseln und zu Fuß führten zu einer früheren Rückkehr im Juli. Engelhart hebt in seinen Erinnerungen jedoch die bemerkenswerte Arbeitsdisziplin und den ungebrochenen Elan Hörmanns trotz der widrigen Umstände hervor.

Zu den wenigen in Original bekannten Gemälden dieser Reise gehören drei Ansichten des Ätnas. Das ist nicht weiter überraschend, breitet sich doch das beeindruckende Massiv des aktiven Vulkans unübersehbar vor Taormina aus. Ungewöhnlich ist hingegen – wie im übrigen immer bei Hörmann – die Wahl des Standpunktes: Er blieb nicht beim berühmten Teatro antico stehen sondern folgte der alten Stadtmauer den Monte Tauro hinunter, bis er jene Stelle fand, wo der unregelmäßige Zinnenkranz der Mauer mit den dahinter sich wölbenden Hügeln bis hin zum Ätna einen eigenen, wellenförmigen Rhythmus ergab. Die Strenge der Zentralperspektive wird durch diese horizontale Gliederung aufgehoben und gebrochen. Auffallend ist weiters die helle, fast grelle Farbgebung, die sich u. a. durch den Kontrast der leuchtenden Grün-und Blautöne mit dem blendenden Weiß des Schnees von den Berghängen des Ätnas ergibt. Dieses Gemälde offenbart fraglos die innovative Kraft des Hörmannschen Spätwerkes: eine eigenwillige Komposition verbunden mit einer expressiven Farbgebung, die harmonischen Gesetzen zuwiderläuft. (MHH)