Auktionshaus

Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts

28. November 2013, 18:00 Uhr

0143

Carl Spitzweg

(München 1808 - 1885 München)

„Nachtwächter in einer Wirtschaft, Noagerl trinkend“
um 1837
Öl auf Leinwand
36,7 × 39,8 cm
Rückseitig auf Keilrahmen Reste eines Nachlass-Stempels

Provenienz

Neumeister München, Kunstauktion, 26.9.2001, Nr. 861; Privatbesitz, Deutschland

Literatur

Siegfried Wichmann, Carl Spitzweg. Nachtwächter Noagerl trinkend. Dokumentation, Reihe für vergleichende und angewandte Kunstgeschichte, Starnberg-München 1995; Siegfried Wichmann, Carl Spitzweg. Verzeichnis der Werke, Gemälde und Aquarelle, Stuttgart 2002, S. 487, WV-Nr. 263 (Abb.)

Dokumentation und Bestätigung von Siegfried Wichmann, Starnberg, 1. August 1995, liegt bei.
Laut Auskunft des Besitzers wurde das Bild restauriert. Durch Abnahme von Retuschen sind Abweichungen zu den vorherigen Abbildungen entstanden.

€ 13.000

Man kennt Carl Spitzweg als Maler von skurrilen Sonderlingen, schrulligen Gelehrten, gähnenden Wachposten und naiven Schönheiten. Er war ein kritischer Beobachter seiner Zeit, der menschliche Schwächen durch leise Ironie zu entlarven wusste. Mit schmunzelnd-distanziertem Blick spürte er der vielbeschworenen Idylle des deutschen Kleinbürgers nach und schuf Bilder, die amüsieren, ohne bloßzustellen. Sein subtil vorgetragener, liebenswürdiger Humor sicherte Spitzweg schon früh die Gunst des Publikums. (CMG)

Carl Spitzweg wird am 5. Februar 1808 in München als Sohn einer gut situierten Münchner Kaufmannsfamilie geboren und schlägt auf Wunsch seines Vaters nach dem Studium der Pharmazie, Chemie und Botanik zuerst eine Laufbahn als Apotheker ein. 1833 folgt er aber seiner eigentlichen Berufung, beginnt als Autodidakt seine künstlerische Laufbahn als Maler und schafft ein umfangreiches Oeuvre. 1835 wird Spitzweg Mitglied des Kunstvereins und 1838 verkauft er bereits seine ersten Bilder. Er unternimmt viele Reisen und gewinnt schon zu Lebzeiten zahlreiche Bewunderer und Sammler.

In Spitzwegs Frühzeit finden Gemälde mit nächtlichen Darstellungen eine wichtige Bedeutung. Auf seinen Reisen studierte er in zahlreichen Museen die Nachtstücke, nächtliche Landschaften und die jeweiligen Lichtsituationen verschiedenster Werke. Das Motiv des Nachtwächters findet sich in einigen Werken Spitzwegs wieder. Das vorliegende Werk, welches durch mehrere Einzelstudien und Skizzen vorbereitet wurde, schildert jenen Moment, in der ein Nachtwächter in einer Wirtsstube nach einem Schluck Bier sucht. In dem abgedunkelten Raum, erhellt durch den Lichtschein einer Laterne, einer Kerze und eines Kienspans liegt sein Begleiter, ein Hund, am Boden. Im Hintergrund am Tisch sitzend erkennt man die Wirtsleute, ermüdet vom anstrengenden Tag. Schwermut und Melancholie liegen über dem Bildgeschehen, das durch die Figur des Nachtwächters aufgelockert wird. (vgl. Wichmann, Spitzweg, Dokumentation 1995)