Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

26. November 2013, 17:00 Uhr

0538

Maurice de Vlaminck*

(Paris 1876 - 1958 Paris)

„Le port (Der Hafen)“
1930er Jahre
Öl auf Leinwand
65,5 × 81,5 cm
Signiert links unten: Vlaminck

Provenienz

Mr. & Mrs Cornelius F. Sullivan (sale: Anderson Galleries, New York, 29th-30th April 1937); europäische Privatsammlung (vor 1950 erworben); Sotheby's London, Auktion am 04. 02. 2009, lot 238; Privatbesitz, Österreich

Das Bild wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis von Maithé Vallès-Bled und Godeliève de Vlaminck, hrsg.vom Wildenstein Insititut, aufgenommen.

€ 50.000

Der vor allem der Farbe und dem Malerischen verpflichtete Maurice de Vlaminck schildert in seinem Hafenbild die umtriebige Atmosphäre des Ortes. Ganz in den zwischen tief dunkel und strahlend hell variierenden Blautönen des Meeres und des Himmels aufgehend, schmiegen sich die großen Segelschiffe – wenn auch nur für kurze Zeit – an die sichere Hafenmauer. Schemenhaft und hastig legen sie an, werden beladen und nehmen Passagiere auf. Mit schnell gesetzten Pinselstrichen umreißt Vlaminck das Wesen der Schiffe und erteilt ihnen mit den flüchtig angedeuteten Flaggen ein Ziel. Rot, Gelb, Blau leuchten auf und durchbrechen für einen Augenblick den blauen Grundton der Ansicht. Noch bewegter als der wolkige Himmel ist die See, die durch konsequent horizontalen Farbauftrag zu driften beginnt.

Maurice de Vlaminck malte nach seiner Abkehr von den Fauves und etwas später von seinem großen Vorbild Paul Cézanne seit den frühen 1920er Jahren eine Reihe von Seestücken. Während der 1930er Jahre entstand eine größere Anzahl von Atlantikansichten mit bewegten bis heftig aufgewühlten Stimmungen. Aufgrund seiner empfindsam ausdrucksstarken Meeresbilder wurde de Vlaminck als „Poet der beiden unbezähmbaren Elemente, Luft und Wasser“, beschrieben (André Gymbal, 1921, zitiert in: Vlaminck. Le Peintre et la Critique. Musée des Beaux Arts, Chartres 1987- 88, S. 298). In dieser Phase nach dem Ersten Weltkrieg wandte sich Vlaminck von der leuchtenden Palette der frühen Jahre des Jahrhunderts ganz ab und thematisierte immer wieder die Rastlosigkeit seiner Zeit, ein Thema, das er auch literarisch aufgriff. Hafenszenen finden sich in nahezu allen Phasen seines Schaffens, doch entwickelte de Vlaminck mit den von jeder Beschaulichkeit abgewandten, expressiv ausgeführten Küstenbildern, Landschaften und Seestücken der Zwischenkriegszeit, wo auch diese Ansicht einzureihen ist, seine eigene künstlerische Sprache. (Claudia Lehner-Jobst)