Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

26. November 2013, 17:00 Uhr

0536

Alfons Walde*

(Oberndorf 1891 - 1958 Kitzbühel)

„Bergweiler“
1945
Öl auf Karton
49,5 × 70,5 cm
Signiert rechts unten: A. Walde
Rückseitig Künstleretikett mit Titel und Datierung

Provenienz

Dorotheum Wien, 608. Kunstauktion am 17. 06. 1975, lot 445; Privatbesitz, Österreich

Das Bild wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis aufgenommen.

€ 180.000 - 360.000

Alfons Walde wurde vom Landschafts- und Lebensraum seiner Tiroler Heimat zu einzigartigen Bildschöpfungen inspiriert. Sein Oeuvre zeichnet sich durch einen reichen Motivfundus aus, auf den er in unzähligen Varianten über Jahre und Jahrzehnte hinweg zurückgreifen konnte. Monumental komponierte Gemälde wie das hier präsentierte, das den Titel "Bergweiler" trägt, zeigen das charakteristische dörfliche und alpine Ambiente Tirols. Das pastos gemalte Bild vermittelt die atmosphärische Kraft einer Natur, in die sich die Berghöfe wie selbstverständlich einfügen. Unverwechselbar betont Walde die Leuchtkraft des wolkenfreien blauen Himmels und akzentuiert das Spiel von Licht- und Schattenpartien auf den Bauernhöfen, den Dorfplätzen und in der Landschaft. Meisterhaft beherrscht er die Modellierung der teils noch schneebedeckten, schroffen Gebirgskulisse, die mit weichen Hügelformationen kontrastiert.
Schon in den späten zwanziger und dreißiger Jahren fungierten Waldes Bilder als wichtiger Werbeträger für den heimischen Tourismus. Walde genoss aber nicht nur in Tirol große Popularität, mit Beginn der dreißiger Jahre sicherte sich der Künstler vielmehr auch internationale Reputation: seine Werke waren etwa auf Ausstellungen in Berlin, Rom, Budapest, Pittsburgh, Cleveland und Paris zu sehen.

Alfons Walde wurde am 8. Februar 1891 in Oberndorf, Tirol geboren. 1910 begann er, an der Technischen Hochschule in Wien Architektur zu studieren. Neben den vorgeschriebenen Fächern belegte er auch Vorlesungen in Freihandzeichnen, Aktzeichnen und Aquarellieren. Durch die Bekanntschaft mit dem Architekten Robert Oerley, der 1911/12 Präsident der Wiener Secession war, lernte er die Wiener Avantgarde jener Zeit kennen. Prägende künstlerische Vorbilder wurden für ihn Gustav Klimt und Egon Schiele. Mit letzterem verband ihn später auch eine nahe Freundschaft. Während des Krieges - Walde absolvierte seinen Dienst bei den Tiroler Kaiserschützen - setzte er sein Studium an der Technischen Hochschule in Wien fort. Obwohl er sich nach dem Krieg in Kitzbühel niederließ, hielt er den Kontakt zur Wiener Künstlerszene und stellte schon 1920 wieder in der Secession aus. Erfolg und Anerkennung blieben nicht aus. Als Maler und Graphiker genoss Walde zunehmend große Beliebtheit: 1932 erhielt er den Auftrag, das erste offizielle Tirol-Plakat zu gestalten. Neben der Malerei war Walde auch als Architekt tätig. So baute er die Tal- und Bergstation der Hahnenkammbahn und ein Haus für seine Familie in Kitzbühel. Durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten verflachte seine Karriere etwas. Als späte Ehrung wurde ihm 1956 der Professorentitel verliehen. Alfons Walde starb am 11. Dezember 1958 in Kitzbühel. (CMG)