Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

26. November 2013, 19:00 Uhr

0761

Friedensreich Hundertwasser*

(Wien 1928 - 2000 vor Brisbane, Australien)

„Untergang der Grünen Sonne“
1960
Aquarell und Kreide auf Papier auf Leinwand
30 × 46 cm
Signiert und datiert rechts unten: Hundertwasser 1960 Paris

Provenienz

europäischer Privatbesitz

Ausstellung

Tokyo Gallery, Tokyo 1961; Museo Espanol de Arte Contemporáneo, Madrid 1979; Galerie Thomas, München 1980

Literatur

Fürst, Andrea Christa: Hundertwasser 1928-2000, Werkverzeichnis, Vol II., Köln 2002, Wkvznr. 441, Abb. S. 395

Beiliegend Expertise von Andrea Christa Fürst, Hundertwasser Archiv, vom 13.4.2004

€ 110.000

Ein im Werkverzeichnis noch als verschollen angeführtes Werk kann erstmals wieder der Öffentlichkeit präsentiert werden. „Untergang der Grünen Sonne“ ist ein frühes Aquarell, 1960 in Paris entstanden. Dieses Jahr markiert einen wichtigen Punkt in der Karriere des Künstlers, seine Arbeiten werden nun international einem breiten Publikum präsentiert. Nach einer Ausstellung in der renommierten Pariser Galerie Raymond Cordier, stellt Hundertwasser auch in Tokio und Madrid aus. In Deutschland zeigen die Kestner Gesellschaft in Hannover und die Galerie Thomas in München seine Bilder. Vorläufiger Höhepunkt ist die Ausstellung seiner Werke im österreichischen Pavillion auf der Biennale in Venedig 1962.

Anfang der 1960er Jahre verändert sich die Malweise Hundertwassers. Die Arbeiten der 50er Jahre waren noch vom Ideal der Unregelmäßigkeit und des Chaos geprägt, nun werden die Formen solider und lesbarer. Die Spontaneität der Jahre zuvor, weicht durchgeplanteren Kompositionen, wobei das Organische aber nach wie vor eine große Rolle spielt. Den Akt des Malens sieht Hundertwasser als einen vegetativen – beeinflussbar und verletzlich – wie auch organisches Wachstum, spiraloide und fluidoiden Formen sind die Folge. Eine wesentliche Rolle in seiner Malerei spielt die Farbe, die Hundertwasser instinktiv an keinerlei Erfahrungswerte gebunden im Bild einsetzt. Die Farben haben dabei keinerlei Bezug zur gegenständlichen Welt. Hundertwasser mischt seine Farben nicht, er setzt sie rein nebeneinander, dadurch entsteht diese leuchtende Strahlkraft, die die Bildwelten des Künstlers auszeichnet. Mit seinen Bildtiteln regt er die Phantasie des Betrachters an, „sie sind wie Ornamente, mit denen das Bild gerahmt und geschmückt wird“ (Wieland Schmied, Hundertwasser. 1928 – 2000, Köln 2009, S. 74) und geben Auskunft über Assoziationen und Empfindungen des Malers.

Hundertwasser entwickelt eine ganz unverwechselbare Bildsprache, einzelne Elemente wie das Gesicht mit mehreren Augen links im Bild, Quadrate, die gefüllt sind mit Linien, die dem Umriss folgen und sich nach innen zu immer mehr verjüngen, wie ineinander gestapelte Formen, finden sich immer wieder in seinen Bildern. Farbbalken, -tropfen, die von oben ins Bild „hineinrinnen“ öffnen den Bildraum ins Unendliche. Mit kräftigen Umrissen eingegrenzte Felder, die durch Kreisformen, Linien oder bunten Farbquadrate im Inneren zu pulsierendem Leben erwachen, beherrschen die untere Bildhälfte. Sie werden als organische Formen, als zellähnliche Strukturen wahrgenommen, obwohl sie keinerlei Bezug zu real existierenden Lebensformen haben. „Meine Bilder sind die Ernte meiner Träume“, sagt der Künstler einmal und wie bunte Träume kommen seine Bilder auch daher. Scheinbar Unlogisches verbindet sich zu einer harmonischen Einheit, es gibt kein Oben und kein Unten, keinen Raum im eigentlichen Sinne, aber es gibt Formen und Farben, die uns berühren und tief in unserem Inneren etwas zum Klingen bringen. (Sophie Cieslar)