Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

26. November 2013, 19:00 Uhr

0725

Franz West*

(Wien 1947 - 2012 Wien)

„Arbeitstisch in Aspik“
2008
Epoxyd, Holz, Farbe und Stahl
212 × 98 × 74 cm

Provenienz

Privatbesitz Schwester des Künstlers, Österreich

Die Arbeit ist dem Archiv der Franz West Privatstiftung bekannt.
Eine Archivbestätigung liegt bei.

€ 80.000

Franz West definiert in seinem Werk den Skulpturenbegriff neu. Er hinterfragt die „skulpturale Tradition, ohne die Bildhauerei gänzlich zu verlassen. Seine Skulpturen verkörpern die maximalste und zugleich minimalste Variante dessen, was Skulptur heute noch sein kann – sie oszillieren stets zwischen dem Nichts und dem Etwas.“ (Johanna Schwanberg, Warum ist etwas und nicht nichts? Franz West und seine Skulpturen, in: Parnass, Heft 3, Wien 2004, S. 69). Kommunikation und Interaktion mit und durch die Kunst ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Werk. Der Betrachter wird vielmals eingebunden, er wird angehalten die Objekte anzulegen, sich daraufzusetzen, sie sich überzustülpen. Die Barriere zwischen Kunst und Betrachter wird aufgehoben, gleichzeitig verlässt die Kunst aber den musealen Raum, bewegt sich hinaus und erobert neue Bereiche.

Der nächste Schritt Möbel, wie Sofas, Stühle oder Tische in Kunst umzuwandeln ist nur ein logischer. Hier steht Franz West auch in der Tradition der ready-mades von Marcel Duchamp oder Meret Oppenheim und der radikalen in-Frage-Stellung eines gängigen Kunstbegriffes. Anders aber als zum Beispiel Oppenheims mit Fell bezogene Teetasse sind die Möbel Franz Wests zum Gebrauch bestimmt und nicht ihrer Funktion beraubt. Seine Möbel-Skulpturen sind verfremdet, ironisiert, aber sollen benützt werden als das was sie sind. So dringt die Kunst auf eine Art und Weise in unseren Alltag ein, wie es ein Bild an der Wand nicht vermag. Die Grenze zwischen Kunst und Design, zwischen freiem und angewandten Schaffen wird unterlaufen. Ab 1987 entstehen Möbel-Skulpturen aller Art und tauchen in weiterer Folge in unterschiedlichsten Ausformungen im Werk des Künstlers auf. Sie sind Instrumente mit deren Hilfe nicht nur ein haptischer Kontakt zu einer Skulptur hergestellt werden kann, sondern auch neue Ebenen der Wahrnehmung ausprobiert werden können.

Der 2008 entstandene „Arbeitstisch in Aspik“ steht an eben dieser Grenze zwischen Kunstobjekt und Gebrauchsgegenstand. Das auf seine einfachste Form reduzierte Möbel spielt mit der Verfremdung vertrauter Objekte. Die in einem an Jackson Pollock erinnernden all-over bemalte Tischplatte ist mit einer Schicht aus Epoxyd bedeckt. So ist die Malerei geschützt, aber auch seltsam fern, wie ein Hering mit Aspik überzogen. Auch hat sich das „Bild“ in eine andere Ebene begeben, es hängt nicht wie gewohnt an der Wand, sondern ist in die Horizontale gelegt. Das eröffnet dem Betrachter eine komplett neue Sichtweise, zudem er ja auch angehalten ist, auf der Malerei zu arbeiten, Dinge darauf abzulegen und Teile abzudecken.

Längst wird Franz West auch international zu den ganz Großen der zeitgenössischen Kunst gerechnet. Bereits 1997 hatte er eine Einzelausstellung im New Yorker Museum of Modern Art und die Tate Modern in London zeigt seine Arbeiten in ihrer Dauerausstellung an prominenter Stelle. Er darf somit zu den bedeutendsten österreichischen Gegenwartskünstlern gezählt werden. (Sophie Cieslar)