Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

08. Oktober 2013, 17:00 Uhr

0062

Ernst Fuchs*

(Wien 1930 - 2015 Wien)

„Triumph der Sphinx“
1966
Graphit auf Papier
73 × 58 cm
Signiert und datiert links unten: Ernst Fuchs, März 1966, Los Angeles-Wien, ERNST FUCHS

Ausstellung

Ernst Fuchs - Retrospektive in der Staatlichen Tretjakov-Galerie Moskau, 2001; Ernst Fuchs - Retrospektive im Kunsthistorischen Museum/Palais Harrach Wien, 2001

Literatur

Ernst Fuchs: "Architectura Caelestis", Residenz Verlag, 1966; Claude Garino: "Vienne et le realisme fantastique", Suisse Editions Idea, 1976

€ 25.000

Es sind vieler Art Gnostiker von der Antike bis heute gewesen, die das Sexuelle wie das Erotische verpönt, ja obszön genannt haben, um das Geistige rein und abstrakt zu erhalten. In ihrer leidenschaftlichen Abkehr vom Leib haben sie alles das gefördert, was der Gottesliebe am unähnlichsten ist, in den Augen der Massen aber ihr doch so ähnlich erscheint: ihre Askese wurde viel gerühmt und war doch eigentlich ein Protest gegen die Schöpfung; ihre Einsiedelei wurde als heiliger Ort gehütet und war doch in Wirklichkeit eine Auflehnung gegen Gemüt und Sinnlichkeit. Als könnte der Mensch ohne Sünden leben, als wäre der Tod nicht sein ständiger Begleiter, ein geduldig ertragener, weil in der Auferstehung des Fleisches überwundener. Wie ist Christus doch der Schlußstein der Schöpfung!

Sehen wir es wieder an, das sphinxhafte, irisierende Lächeln der Doppelnatur, die unsere eigene ist, die sich mit ihren vielen Rätseln aller Deutung und aller Eindeutigkeit entzogen hat und die in der Geschichte des Deutens und Bewertens zum riesenhaften Monument erwachsen ist. Forschend blickt jeder dieser Sphinx ins Angesicht, den Teufel oder Engel darin erkennend, der er selbst ist.

(zit.: Ernst Fuchs: Im Zeichen der Sphinx. Schriften und Bilder. S.158; dtv Verlag, 1978)