Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

23. April 2013, 18:00 Uhr

0056

Albert Birkle*

(Berlin 1900 - 1986 Salzburg)

„Salzburger Berge im Winter“
Öl auf Karton
70,5 × 103 cm

€ 35.000 - 70.000

Albert Birkle *
(Charlottenburg 1900 - 1986 Salzburg)

Salzburger Berge im Winter
Öl auf Karton; 70,5 x 103 cm
Signiert links unten: A. Birkle
Rückseitig bezeichnet: Salzburger Berge im Winter / A. Birkle

Provenienz: österreichischer Privatbesitz

Albert Birkle wurde als erster Sohn einer Künstlerfamilie in Berlin-Charlottenburg geboren und begann nach dem Ende des Ersten Weltkrieges eine Lehre als Dekorationsmaler im väterlichen Betrieb. An der Berliner Akademie studierte Birkle von 1920 bis 1925 und fand als jüngstes Mitglied Aufnahme in der "Berliner Sezession" und in der von Max Liebermann als Präsident angeführten "Preußischen Akademie der Künste". Schon während seiner Studienjahre entwickelte er einen eigenständigen religiös-sozialkritischen Realismus mit neusachlichen Zügen. Die sozialkritischen Akzente traten in in seinem Schaffen später zunehmend in den Hintergund, während Städtebilder und Industriemotive stimmungshafter wurden.
1927 lehnte Birkle das Angebot einer Professur an der Königsberger Akademie ab, um sich ganz seiner Malerei widmen zu können. 1932 übersiedelte er nach Salzburg. 1936 vertrat Birkle Deutschland auf der Biennale in Venedig. Er erhielt 1946 die österreichische Staatsbürgerschaft und wirkte in seiner neuen Wahlheimat vor allem als religiöser Glasmaler. Zahlreiche bedeutende Werke und Fensterzyklen religiös-dekorativer Prägung entstanden. Im expressiven malerischen und zeichnerischen Spätwerk rekurrierte er auf frühere Motive der 1920er und 1930er Jahre und zeigte erneut sozialkritische Tendenzen. Albert Birkle starb am 29. Januar 1986 in Salzburg.

Mit der Übersiedelung von Berlin nach Salzburg Anfang der dreißiger Jahre ließ Birkle das
Thema Großstadt hinter sich. Landschaftsgemälde mit Ansichten des Salzburger Umlandes,
von seinem Atelier am Gersberg aus gesehen, einem Ausläufer des Gaisberges, wurden in diesen
Jahren zu einem wiederkehrenden Motiv. In der vorliegenden Arbeit richtet der Künstler
seinen Blick nach Südwesten. Rechts im Bild ragt das Untersbergmassiv empor, angrenzend
die Watzmanngruppe und der Hohe Göll, der den Bildausschnitt auf der linken Seite begrenzt.
Die bewaldete Erhebung im Mittelgrund markiert den Hügel beim Hellbrunner Schlosspark.
Obwohl topografisch korrekt, geht Birkles Winterlandschaft vor allem durch die irreale Lichtstimmung über das Abbildende hinaus und wirkt eigenartig übersteigert. Auffallend stark wird der Blick des erhöht positionierten Betrachters in die Tiefe gezogen, unterstützt durch fein nuancierte Farbabstufungen. Bei der märchenhaft wirkenden Figur des bärtigen Mannes mit Hund links im Bild handelt es um einen vagabundierenden Einsiedler, der sich fallweise auf Birkles Grundstück niederließ.