Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

23. April 2013, 18:00 Uhr

0009

Carry Hauser*

(Wien 1895 - 1985 Wien)

„Kamelmarkt in Nabeul“
1966
Öl auf Karton
65 × 54 cm

€ 25.000 - 50.000

Carry Hauser *
(Wien 1895 - 1985 Wien)

Kamelmarkt in Nabeul (Tunesien), 1966
Öl auf Karton; 65 x 54 cm
Monogrammiert und datiert links unten: CH 66

Provenienz: aus dem Nachlass des Künstlers; österreichischer Privatbesitz

Literatur: Cornelia Cabuk, Carry Hauser, Monografie und Werkverzeichnis, Belvedere Werkverzeichnisse, Bd. 2, Wien 2012, Nr. 1966 M1, Abb. S. 487

Carry Hauser unternahm in den 1960er Jahren zahlreiche Reisen durch Afrika, die bei ihm eine bleibende Faszination für die fremde Kultur dieses Kontinents hinterließen. Als Passagier von Frachtschiffen lernte er die afrikanischen Länder kennen, schrieb Reiseberichte und fertigte Skizzen an, die ihn später im Wiener Atelier zu Ölgemälden inspirierten. Zunehmend fokussierte er sein ganzes Interesse auf dieses Land und seine Menschen.
In Tunesien besuchte er mehrmals den berühmten Kamelmarkt in Nabeul und zeigte sich vom regen Treiben des Marktes begeistert. Auf dem hier präsentierten, koloristisch und formal äußerst raffiniert gestalteten Gemälde fängt Hauser einen Ausschnitt der belebten, orientalischen Szene ein und setzt jenen Knaben, mit dem er den Markt erkundete, in den Vordergrund des Bildes. Mit ernstem Blick nimmt dieser Kontakt zum Betrachter auf. Dicht hinter ihm steht ein hellhäutiger Knabe mit roter Kappe, der einen imaginären Punkt außerhalb des Bildes fixiert. Beide Knaben werden von einem stolzen, in Profilansicht wiedergegebenen Kamel hinterfangen und überragt. Im Bildzentrum platziert und als größte Figur der Dreiergruppe im Vordergrund, liegt auf dem ebenso anmutig wie skurril wirkenden Tier ein wesentlicher Fokus der Darstellung. Teils nur schemenhaft angedeutet schildert Carry Hauser die geschäftige Kulisse des Marktplatzes mit Händlern, Kunden und Kamelen. Horizontal begrenzt wird das Marktleben durch eine dicht ineinander verschachtelte Häuserfront in strahlendem Weiß.
Meisterhaft leitet der Maler das Auge des Betrachters durch gekonnt gesetzte Farbakzente in die Tiefe des Bildes. Das Weiß etwa der Hemden und Kameltücher korrespondiert mit der Häuserzeile und den Wolken im Hintergrund ebenso wie das leuchtende Blau der Mäntel im Himmel Resonanz findet. Starke Rotakzente und kräftige Ocker- bzw. Brauntöne finden sich über die Bildfläche verteilt und stärken den Zusammenhalt der Bildkomposition.
In Widerspruch zum Thema der Darstellung eines umtriebigen orientalischen Marktgeschehens betont Carry Hauser nicht die Interaktion zwischen den Figuren sondern lässt diese durch divergierende Blickachsen isoliert erscheinen. (CMG)