Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

19. März 2013

0002

Siegfried Anzinger*

(Weyer 1953)

„o.T.“
1991
Öl auf Leinwand
145 × 169 cm

€ 20.000 - 30.000

Siegfried Anzinger *
(Weyer 1953 geb.)

o.T., 1991
Öl auf Leinwand; 145 x 169 cm
Signiert rückseitig: Anzinger 91

Der 1953 in Weyer, Oberösterreich geborene Siegfried Anzinger studierte von 1971 bis 1977 an der Akademie der bildenden Künste in Wien. 1982 übersiedelte Anzinger nach Köln. Die ersten bedeutenden Ausstellungen, an denen er teilnahm, waren 1982 die "documenta VII" in Kassel und die "Zeitgeist" - Ausstellung im selben Jahr in Berlin. Er gehört zu jener Generation, die mit dem Medium Malerei in den 80er Jahren eine mehrfach totgesagte Kunstgattung zu neuem Leben erweckten. Siegfried Anzinger war in diesen Jahren einer der Stars der europaweiten Bewegung der „neuen wilden Malerei“. Öffentliche Sammlungen kauften seine Bilder und 1988 stellte er bei der Biennale in Venedig aus. Seit zwanzig Jahren lebt Anzinger überwiegend in Köln. Seit 1997 leitet er an der Kunsthochschule Düsseldorf die Klasse für Malerei.

Siegfried Anzinger arbeitet mit Leimfarbe auf Leinwand. Das Farbpigment wird in Leimwasser aufgelöst und die Leinwand mit Terpentin ausgewaschen. Dieser Vorgang verleiht den Bildern ihren wässrig-fließenden Charakter. Der Pinselstrich ist bewegt und legt den Entstehungsprozess offen. Dieser einzigartige Stil transparenter Leimfarben-Malerei überzeugt durch die Stabilität und die Schönheit einer fließenden Zartheit in Oberfläche und Figur. Die so zum Teil undeutlich auftauchenden Figuren sind nur flache Erscheinungen in der Malfläche und geben wenig bis gar keine Auskunft über sich und ihr räumliches Umfeld.

"Anzinger zu verstehen heißt zu einem nicht unbeträchtlichen Teil in Gegensätzen zu denken und die Notwendigkeit eigenen Ungenügens als vorwärts drängende Kraft relevanter Gestaltung begreifen. So wie Siegfried Anzinger ein spezifisches Verhältnis zu Skizze und Gestus besitzt, verfügt er auch über einen sehr persönlich geprägten, von hemmenden Konventionen weitgehend befreiten Umgang mit der Farbe. Man begegnet ihr ebenso in voller Kraft, Ungebrochenheit und Vitalität wie in allen nur erdenklichen Stadien von Mischungen und überlagerten Nuancen. Im Betonen von Materie und Struktur verweist der Maler, der jede bewusste stilistische Anbindung ablehnt, auf seine Affinität zu abstraktem Expressionismus und gewissen Tendenzen des Informel der 1950er Jahre. Sein Hang zum Lapidaren findet in einer überwältigenden Gefühlsbezogenheit den immer wieder aufpeitschenden, ja gelegentlich zu Bildekstasen führenden Gegenpol." (Peter Baum, Katalog Gemälde, die Sammlung, Kunstmuseum Lentos Linz, 2003, S. 32.)