Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

13. November 2012

0006

Gennaro Basile

(Neapel 1722 - 1782 Brünn/Mähren)

„Porträtgalerie des Steiermärkischen Adels“
1762
Öl auf Leinwand
je ca. 49 × 30 cm

€ 140.000

Gennaro Basile
(Neapel 1722 - 1782 Brünn)

Porträtgalerie des Steiermärkischen Adels, 1762
(58 Porträtdarstellungen)
Öl auf Leinwand, je ca. 49 × 30 cm
Leinwände nicht auf Keilrahmen gespannt, z.T. Fehlstellen
Originale Holzrahmen, teilweise vergoldet, teilweise verglast „Rahmenmacher“ rückseitig bezeichnet: Basile Gennaro 1762 ad
Rückseitig teilweise handschriftliche Bezeichnung der Dargestellten auf Papieretiketten (z.T. mit Nummerierung) und auf im Rahmen eingelegten Schriftstücken, zweitgenannte wohl eigenhändig von Johann Wenzel von Purgstall (1724–1785), dem möglichen Auftraggeber der „Porträtgalerie des Steiermärkischen Adels“
Provenienz: ehemals Schloss Hainfeld, Steiermark, im Besitz der Freiherren von Hammer-Purgstall
Literatur: Joseph von Hammer-Purgstall, Porträtgallerie des Steiermärkischen Adels aus der II. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts, Wien 1855; Thieme-Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler, Band II, Leipzig 1908, Seite 597; Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Steiermark (ohne Graz), Wien 1982, Seite 159f.; Bundesdenkmalamt „Denkmal des Monats“, August 2008 (Homepage des Bundesdenkmalamtes: www.bda.at)

Die „Porträtgalerie des Steiermärkischen Adels“ wird vom Bundesdenkmalamt als besonders schützenswertes Kulturgut eingestuft und darf deshalb nicht (ohne entsprechende Sondergenehmigung) aus Österreich ausgeführt oder geteilt werden.
Die so genannte „Porträtgalerie des steiermärkischen Adels“ stellt eine bemerkenswerte Sammlung von 58 gerahmten Porträts aus der Mitte des 18. Jahrhunderts dar, die sich wahrscheinlich seit ihrer Entstehungszeit im Schloss Hainfeld befand. Das größte Wasserschloss der Steiermark war seit 1719 im Besitz der Grafen Purgstall, die durch die barocke Bautätigkeit und Ausstattung maßgeblich zum heutigen Erscheinungsbild beitrugen. 1835 erbte der Orientalist, Diplomat, Hofdolmetscher und erste Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Joseph von Hammer, der noch im selben Jahr unter dem Namen Hammer-Purgstall in den Freiherrnstand erhoben wurde, das Schloss und nutzte es als seinen Wohnsitz. Bereits im 19. Jahrhundert würdigte Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall die „Porträtgalerie des steiermärkischen Adels“ in ihrer künstlerischen und historischen Bedeutung. In den Jahren 1854–1856 gab er insgesamt 49 Porträts der Serie als Lithographien heraus und stellte im Vorwort fest, dass sich die Porträts durch „treffende Aehnlichkeit“ auszeichnen und diese „jedenfalls einen sehr schätzbaren Beitrag zur Geschichte der damaligen Zeit“ darstellen.
Die 58 ganzfigurigen Darstellungen in barocken Rahmungen zeigen vorwiegend steirische oder mit der Steiermark in Verbindung stehende Adelige, die um 1750 bedeutende Persönlichkeiten waren. Unter den Bildern befindet sich auch das Selbstporträt des Malers. Es handelt sich vermutlich um den aus Neapel stammenden Gennaro Basile (1722–1782). Der Maler ist vor einer Staffelei sitzend mit Pinseln und Farbpalette wiedergegeben. Ein weiteres Bild der Serie zeigt vermutlich den Schöpfer der Rahmen, da er mit einem leeren Rahmen in der Hand, der in seiner Form den in Hainfeld vorhandenen entspricht, dargestellt ist. Die dargestellten Persönlichkeiten werden in den Porträts individuell charakterisiert, die Kleidung wird detailgetreue wiedergegeben. Von besonderer Detailtreue ist auch die Wiedergabe von Möbeln, Gebrauchsgegenständen, Musikinstrumenten, Tieren (besonders Hunden), Wappen etc., die sowohl den Hintergrund gestaltet als auch zur näheren Kennzeichnung der Personen eingesetzt wird. Die Gemälde sind daher nicht nur von künstlerischem, sondern auch von besonderem kulturgeschichtlichem Wert und bilden ein wesentliches und in seiner Art singuläres Dokument zur steirischen Geschichte des 18. Jahrhunderts.(vgl. Text Bundesdenkmalamt „Denkmal des Monats“ August 2008)