Auktionshaus

Auktion: Alte Meister

13. November 2012

0014

Franz Christoph Janneck

(Graz 1703 - 1761 Wien)

„Kreuzigung Christi“
um 1750
Öl auf Kupfer
67 × 52,5 cm

€ 70.000

Franz Christoph Janneck
(Graz 1703–1761 Wien)
Kreuzigung Christi
Öl auf Kupfer, 67 × 52,5 cm
um 1750
Provenienz: Versteigerung Dorotheum, Wien, 22. September 1970, Nr. 52 (Tafel 44 und IX); Österreichischer Privatbesitz
Literatur: Pucher, Christina: Franz Christoph Janneck 1703–1761, (Diss., Graz 1996), Bd I, S. 250 (WK 210).
Gutachten Dr. Christina Pucher, Maria Lankowitz, den 8. August 2012, liegt bei.

Im GesamtOEuvre Jannecks nehmen religiöse Szenen einen breiten Raum ein. Die Meisterschaft Jannecks zeigt sich in der exzellenten Beherrschung der künstlerischen Techniken. Er erzielt durch eine spezielle Behandlung des Malgrundes Kupfer ein Kolorit, das durch feinste Abstufungen und Changement eine dem Emaille ähnliche Oberfläche erreicht. Dieses Zusammenwirken seiner Technik und der Kupfertafeln als Malgrund ist auch der Garant für den außerordentlich guten Erhaltungszustand des Gemäldes. Es handelt sich bei diesem Bild um den Typus der „volkreichen Kreuzigung“. Janneck inszeniert diese Kreuzigung auf die für ihn so typische Weise. Er bringt alle Protagonisten, die in der Bibel beschrieben werden, mit aufs Bild. Der zweizonige Aufbau trennt irdisches und himmlisches Geschehen. Die Figurengruppen, die halbkreisförmig angeordnet sind, drängen sich am Fuß der Kreuze in einem Maße, dass der Eindruck eines „Horror Vacui“ dominiert. Die fokussierte Licht- und Farbgebung, die geprägt ist durch die Karfreitagsstimmung, speziell mit der Farbtrias Blau-Rot-Gelb, die Erdfarben und Mischtöne bei den Assistenzfiguren, sowie der Übergang zu „en grisaille“ in der Darstellung der Figuren im Hintergrund zeigen Janneck als wahren Meister des Kolorits. Von Janneck ist noch eine weitere Version einer volkreichen Kreuzigung bekannt („Golgatha“, 1741, Öl auf Kupfer, 54 × 77 cm, vgl. Pucher, Christina; Franz Christoph Janneck 1703–1761, (Diss., Graz 1996) Bd I, S. 24f, 224). Auf dieser querformartigen Kupfertafel aus dem Jahr 1741 zeigt sich schon die Idee für die Komposition in ähnlicher Art, wenn sich auch die dargestellten Figurengruppen weit weniger gedrängt ausnehmen. Jannecks Figurenrepertoire wiederholt sich in bekannter Weise und wird gekonnt variiert. Für die „Kreuzigung Christi“ muss jedoch ein späteres Entstehungsdatum angenommen werden. Das Figurenideal lässt eine Entstehungszeit um 1750 vermuten.(Gutachten Dr. Christina Pucher)