Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

02. Oktober 2012

0264

Fritz Wotruba*

(Wien 1907 - 1975 Wien)

„Maskenkopf“
1959/60
Bronze
H. 26,5 cm B. 16,5 cm, T. 15 cm

€ 15.000 - 25.000

Fritz Wotruba*
(Wien 1907 - 1975 Wien)

Maskenkopf, 1959/60
Entwurf eines Helmes für die Schauspieler des Chores der Inszenierung von "König Ödipus" von Sophokles am Wiener Burgtheater 1960
Bronze; H. 26,5 cm, B. 16,5 cm, T. 15 cm
Signiert und nummeriert: WOTRUBA 3/7
Provenienz: Fritz Wotruba Privatstiftung
Guss: Alfred Zöttl, Wien
Das Gussbuch der Arbeiten Wotrubas sieht für diese Figur eine Auflage von sieben arabisch numerierten Güsse vor, von denen vier gegossen worden sind.
Literatur: Jürg Janett (Hrsg.), Otto Breicha, Fritz Wotruba. Werkverzeichnis Skulpturen, Reliefs, Bühnen- und Architekturmodelle (Erker-Verlag, St. Gallen, 2002), WV-Nr. 224, Abb. S. 218; Agnes Pistorius, Fritz Wotruba. Das szenische Werk (Böhlau-Verlag, Wien, 1995), Abb. S. 89; Freunde zur Erhaltung und Betreuung des künstlerischen Nachlasses von Fritz Wotruba und Gerhard Marcks-Stiftung (Hrsg.), Fritz Wotruba, Der Bildhauer als Bühnenbildner (Bremen 1992), Abbildung S. 74.

„Nichts Vergangenes und Totes soll beschworen werden, für einen Augenblick soll, was geschieht, aktuell sein und möglich auch uns.“ (Fritz Wotruba)

In den sechziger Jahren schuf Fritz Wotruba in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Gustav Rudolf Sellner umfangreiche Arbeiten für das Theater. Es entstanden Entwürfe und Modelle für Bühnenarchitektur, Kostüme und Masken für einen Antikenzyklus von Sophokles und Richard Wagners Oper „Ring des Nibelungen“.
Ernst Haeussermann übernahm mit Beginn der Spielzeit 1959/60 die Direktion des Burgtheaters. Er holte für einen Sophokles-Zyklus Gustav Rudolf Sellner, einen damals im deutschsprachigen Raum stilbildenden Regisseur, der sich intensiv mit der attischen Tragödie auseinandergesetzt hatte, nach Wien. Fritz Wotruba wurde als Bühnenbildner gewonnen. Der Zyklus eröffnete 1960 mit „König Oedipus“, gefolgt von „Antigone“ 1961 und „Elektra“ 1963. 1965 gestalteten Sellner und Wotruba Sophokles „Oedipus“ und „Oedipus auf Kolonos“ für die Salzburger Festspiele. 1966 bearbeiteten beide nochmals „König Oedipus“ für ein Gastspiel des Burgtheaters in Athen im Theater des Herodes Atticus. Mit dem „Ring des Nibelungen“ an der Deutschen Oper Berlin 1967 wieder gemeinsam mit Sellner schloss Wotruba seine Arbeiten für die Bühne ab.

Wotrubas Bühnengestaltungen hatten eine außerordentliche Wirkung und waren enorm erfolgreich. Sie setzten neue Maßstäbe, da ein Bildhauer selbständige Skulpturen auf die Bühne brachte. Seine Bühnenbauten waren nicht an der klassischen griechischen Architketur orientiert. Er verzichtete auf eine naturalistische oder historische Bestimmung des Ortes und versuchte, die Welt der Antike und den Inhalt der Tragödie lebendig zu machen, ohne sie mit Symbolen darzustellen.

Wotruba gestaltete für alle Inszenierungen auch die Kostüme. Der Bildhauer beschäftigte sich dafür eingehend auch mit dem Thema der Maske für das antike griechische Theater.
Der vorliegende Maskenkopf entstand als ein Entwurf für die Schauspieler des Chores von „König Oedipus“. Der Kopf ist als Plastik zu betrachten und war nicht dazu bestimmt, als Maske tatäschlich getragen zu werden. Er zeigt – wie auch die Kostüme im „Oedipus“ – signifikant Wotrubas Intention, architektonische Elemente mit der Figur, mit dem Menschen, zu verbinden. Es manifestiert sich in diesem Kopf auf beeindruckende Weise das wichtigste Thema Wotrubas, nämlich die Beziehung Mensch-Skulptur-Architektur.
Die Beschäftigung Wotrubas mit diesem Problemfeld erfuhr durch die stimulierende Wechselwirkung, die Wotrubas bühnenarchitektonische Gestaltungen und sein bildhauerischen Werk aufeinander ausübten, in den 1960er Jahren eine intensive Steigerung. Diese Entwicklung führte schließlich zur Gestaltung eines tatsächliche Bauwerks, nämlich der Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit in Wien-Mauer. (Gabriele Stöger-Spevak)