Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

02. Oktober 2012

0263

Fritz Wotruba*

(Wien 1907 - 1975 Wien)

„Bühnenentwurf (4 Stk.)“
1960/61
Bronze

€ 30.000 - 50.000

Fritz Wotruba*
(Wien 1907 - 1975 Wien)

Antigone, 1961
Gesamtmodell für das Bühnenbild der Inszenierung von Antigone von Sophokles am Wiener Burgtheater 1961
Bronze
Mittelteil: H. 19 cm, B. 61,5 cm, T. 15,5 cm
Flankierende Figur links: H. 29,5 cm, B. 6,5 cm, T. 8 cm
1. flankierende Figur rechts: H. 29,5 cm, B. 8 cm, T. 4 cm
2. flankierende Figur rechts: H. 29 cm, B. 6 cm, T. 6 cm
Jeder einzelne Teil signiert und nummeriert auf den Sockeln: WOTRUBA 1/7, bzw. eine Figur mit W 1/7
Posthumer Guss
Provenienz: Fritz Wotruba Privatstiftung
Guss: Alfred Zöttl, Wien

Literatur: Jürg Janett (Hrsg.), Otto Breicha, Fritz Wotruba. Werkverzeichnis Skulpturen, Reliefs, Bühnen- und Architekturmodelle (Erker-Verlag, St. Gallen, 2002), WV-Nr. 237, Abb. S. 225; Agnes Pistorius, Fritz Wotruba. Das szenische Werk (Böhlau-Verlag, Wien, 1995), Abb. S. 15 (Gipsmodell) und S. 89 (Bronze);
Freunde zur Erhaltung und Betreuung des künstlerischen Nachlasses von Fritz Wotruba und Gerhard Marcks-Stiftung (Hrsg.), Fritz Wotruba, Der Bildhauer als Bühnenbildner (Bremen 1992), Abbildung S. 79.

„Kongenial soll Architektur die Dichtung umschließen, als ein hermetisches Gehäuse, verschlossen wie ein Kubus, oder aufgerissen und zerstört wie das Chaos.“
(Fritz Wotruba)

Die Witwe Fritz Wotrubas, Lucy Wotruba (gest. 1985), ließ von diesem Werk Bronzegüsse herstellen, wobei eine Auflage von sieben arabisch nummerierten Güssen vorgesehen war. Hergestellt wurden zwei vollständige Bronzegüsse des aus vier Figuren bestehenden Gesamtmodells. Die Fritz Wotrubas Privatstiftung besitzt diese beiden Gesamtmodelle, von denen sie eines abgibt. Von den drei flankierenden stehenden Figuren wurden jeweils zwei weitere Bronzegüsse hergestellt.

Wotruba entwarf für den Bühnenraum der Antigone-Inszenierung eine liegende Figur, die von drei schmalen stehenden Plastiken flankiert wird, deren Positionen während der Aufführung wechselten. Für die Fertigung der Bühnenarchitektur wurden die Maße des unregelmäßigen Bühnenmodells aus Gips auf regelmäßige Holzmodelle übertragen. Diese dienten als Vorlage für die Herstellung der Bühnenteile in Stahlblech in der Lehrwerkstätte der VOEST (Vereinigte Österreichische Edelstahlwerke) in Linz. Wotruba wollte nicht das Material Stein antiker Architektur vortäuschen und entschied sich daher für eine Produktion in Metall.
Auf Wunsch des Regisseurs wurden bei der Umsetzung des Modells für die Bühne einige Änderungen vorgenommen, wie die Verkleinerung der stehenden Figuren in ihren Verhältnis zur Mittelfigur. An dieser liegenden Figur, die eine Stadtmauer darstellte, wurde der Abstand des letzten rechten Blocks zu den übrigen Elementen vergrößert. Vor allem im Modell zeichnet sich diese Liegende durch eine wunderbare Spannung zwischen der Eigendynamik der plattenförmigen Bausteine und dem relativ geschlossenen Gesamtumriss aus.
Wotrubas Liegende der frühen 1960er Jahre manifestieren das neue künstlerische Konzept des Bildhauers in diesen Jahren. Er schuf Figuren, deren kubische Grundelemente ungegenständlich und weniger blockhaft waren als in den 1950er Jahren. Auf diese Weise gelangte er zu dynamischen ebenso wie zu ruhigen architektonisch-abstrakten Resultaten.
Seine Arbeiten für die Bühne wirkten sich, wie Wotruba selber sagte, „ungeheuer fruchtbar, breit und stark“ auf sein bildhauerisches Werk aus. (Gabriele Stöger-Spevak)