Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

17. April 2012

0143

Josef Pillhofer*

(Wien 1921 - 2010 Wien)

„Liegender Mann“
1964
Bronze
30 × 121 × 35 cm

€ 38.000

Josef Pillhofer*
(Wien 1921 - 2010 Wien)
Liegender Mann
Bronze
30 x 121 x 35 cm
1964
Signiert am Bein: J. Pillhofer
Provenienz: 1997 vom derzeitigen Besitzer direkt beim Künstler erworben
Literatur: Pillhofer. Das Ideal der Proportion. Künstlerhaus Wien 2011, S. 84 und S. 115 (Abb.)

Wer das künstlerische Werk des österreichischen Bildhauers Josef Pillhofer beschreiben wollte, könnte sehr schnell mit der Schubladisierung „Kubismus“ zur Hand sein – und dabei knapp, aber doch daneben liegen. Natürlich ist es richtig, dass das Werk Pillhofers über weite Strecken von einem kubistischen Formenprinzip beherrscht wird; allerdings setzte er nicht einfach fort, womit Picasso und Braque in der Malerei und Laurens in der Plastik vor Jahrzehnten begonnen hatten – in gewisser Weise begründete er etwas ganz Neues.

Das 20. Jahrhundert war ein Jahrhundert der künstlerischen Innovationen (und das 21. scheint diesen Weg fortzusetzen). Kaum wurde ein neues künstlerisches Gestaltungsprinzip erfunden, war es bereits Ausgangspunkt für die Erfindung noch neuerer Formen. Auf diese Weise entwickelten Generationen von Künstlern aus einem schier unerschöpflichen Potential an Gestaltungsmöglichkeiten, verbreiteten hier und vertieften dort, immer auf der Suche nach einer neuen, unverwechselbaren „Sprache“.

Josef Pillhofer ging diesen Weg nicht. Er teilte die Grundüberlegung der Kubisten, die sichtbare Wirklichkeit zu zerlegen, und er hielt sich auch an die Prämisse, sich davon nie ganz zu entfernen. Die Neubegründung der kubistischen Formenwelt geht bei Josef Pillhofer aber vom abstrakten Kubus (und nicht von der „Wirklichkeit“) aus, oder anders gesagt: Er abstrahierte nicht die Figur von der gesehenen Wirklichkeit, sondern ließ die Abstraktion der Wirklichkeit und abstrakte Formen ineinander aufgehen. Bei ihm ging der künstlerische Prozess von vollkommener Abstraktion aus und führte auf den „idealen Körper“ hin. Auf diese Weise setzt sich sein Werk aus autonomen Bestandteilen zusammen. Das Ergebnis sind Skulpturen, bei denen die kubischen Module nicht nebeneinander bestehen bleiben, sondern in großer Dichte ineinander geschoben erscheinen. (OHR)