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Auktion: Zeitgenössische Kunst

17. April 2012

0144

Alfred Hrdlicka*

(Wien 1928 - 2009 Wien)

„Der Boxer II“
1996
Bronze patiniert
H. 176 cm

€ 50.000 - 90.000

Alfred Hrdlicka*
(Wien 1928 - 2009 Wien)
Der Boxer II
Bronze, patiniert
H. 176 cm
1996
Signiert: A. HRDLICKA
Guss: Zöttl, Wien
Auflage: 3 Stück
Provenienz: Österreichischer Privatbesitz

1969 schrieb Alfred Hrdlicka in seiner Autobiographie, er fürchte sich vor nichts so sehr wie vor den Privatsammlern – und zwar nicht etwa deshalb, weil ihn seine radikalen politischen Ansichten so marktfeindlich gemacht hätten, sondern wegen der Gefahr, die Sammlungen könnten zu Grabkammern der Kunst werden. Allerdings fand er bald heraus, dass die Museen dazu neigten, seine Werke oft noch versteckter zu halten. Also zog er es vor, seine Kunst im öffentlichen Raum zu präsentieren.

Aber auch das war nicht ohne Probleme: Spätestens seit seinem „Mahnmal gegen Krieg und Faschismus“ an der Stelle des 1945 zerstörten Phillipshofs auf dem Albertinaplatz verfolgen ihn die Wiener mit einer Hassliebe, die nur mit jener zu vergleichen ist, die Thomas Bernhard entgegenschlug. Die Hassliebe beruht freilich auf Gegenseitigkeit.

Wer 1928 in Wien geboren wurde, hat schon als Kind und Jugendlicher viel mitbekommen von der Geschichte des 20. Jahrhunderts: Arbeiteraufstand und Dollfuß-Diktatur, Nazi-Aufstand und Schuschniggs „Rot-Weiß-Rot bis in den Tod“, den Anschluss an Nazi-Deutschland, die Gehsteige schrubbenden Juden, ihre Verfolgung und Ermordung, schließlich die Befreiung, als plötzlich alle wieder Österreicher waren.

Hrdlicka hat darauf reagiert – aber nicht „nur“ künstlerisch, als Bildhauer, als Maler, als Graphiker, sondern auch als Mensch. Alfred Hrdlicka ist eine Person der Zeitgeschichte, und auch als diese ein Fanatiker der Wahrheit, ein Agitator, ein Querkopf, ein Antifaschist, ein Kommunist. Es überrascht nicht wirklich, dass einer, der auch verbal dreinzuschlagen versteht, ohne Tabus, dieses „Dreinschlagen“ auch künstlerisch vollzog, am Stein, dem schwersten Material – und auch hier ohne Tabus.

Ihn so zu beschreiben, wäre zwar nicht falsch, aber keinesfalls vollständig: Denn seine graphischen Arbeiten, auch sie Ausdruck seines Engagements, seines Mutes, seiner Haltung, ja, auch seiner Unversöhnlichkeit, zeigen eine ungeheure Sensibilität. Mit einer künstlerischen Vielseitigkeit ohnegleichen, voller Anspannung und Verve, und ständig auf den Zusammenhang von Politik und Kunst verweisend, zeigt er sich der menschlichen Figur wie dem Menschen selbst als Ausgangspunkt allen Gestaltens verpflichtet. Unbeirrt überstand er so alle Moden des Markts, alle Opportunitäten, alle Anfeindungen. International ist er seit langem zumindest so anerkannt wie heute in Österreich. (OHR)