Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

17. April 2012

0138

Bruno Gironcoli*

(Villach 1936 - 2010 Wien)

„o.T.“
um 1990
Kupferfarbe und Tempera auf Karton
66,5 × 97 cm

€ 10.000

Bruno Gironcoli*
(Villach 1936 - 2010 Wien)
o.T.
Kupferfarbe und Tempera auf Karton
66,5 x 97 cm
um 1990
Signiert unten mittig: B Gironcoli
Provenienz: Österreichischer Privatbesitz

Bruno Gironcoli studierte nach einer Goldschmiedelehre in Innsbruck ab Ende der fünfziger Jahre an der Akademie für angewandte Kunst in Wien bei Eduard Bäumer. Er setzte sich intensiv mit der französischen Moderne auseinander, aber noch mehr galt sein Interesse Jackson Pollock und den anderen Vertretern des amerikanischen abstrakten Expressionismus. 1960/1961 hielt sich Bruno Gironcoli in Paris auf und entdeckte die Skulpturen Alberto Giacomettis für sich. Gleichzeitig entdeckte er die Literatur und Philosophie Jean-Paul Sartres und Samuel Becketts. Von Giacometti beeinflusst, den er als seinen künstlerischen Wegbereiter sah, setzte sich Gironcoli intensiv mit den Darstellungsmöglichkeiten der menschlichen Figur auseinander, und fand schon früh zu einer eigenen, reduzierten Formensprache.

Zurückgekehrt nach Wien, beschäftigte sich Bruno Gironcoli mit dem Wiener Aktionismus, mit Performance und Happening und suchte nach einer adäquaten Darstellungsform der Wirklichkeit. Der Künstler verwendete nun in seinen Skulpturen Dinge des alltäglichen Lebens. Diese arrangierte er im Raum und machte sie, indem er sie ihrer konventionellen Funktionen entkleidete, zu künstlerischen Bedeutungsträgern. Daraus entstanden „Handlungsräume“ für seine Themen: Gewalt, Folter, Unterdrückung und Sexualität.

1977 übernahm Bruno Gironcoli – als Nachfolger von Fritz Wotruba – die Leitung der Bildhauerschule an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Erstmals stehen ihm nun großzügige Atelierräume zur Verfügung, was die Radikalität seiner künstlerischen Botschaft noch vertieft. Und noch etwas ändert sich: Lagen die von ihm verwendeten Objekte in den früheren Installationen im Raum ausgebreitet, wurden sie nun zu riesigen, assemblageartigen Skulpturen verdichtet. Bis zu seinem Tod thematisierte der Künstler das Verhältnis zwischen Mann und Frau, zwischen Mutter und Kind, zwischen Leid und Gewalt. Seine Apparaturen stehen als Metaphern für ein System, dem wir vollständig ausgeliefert sind. (OHR)