Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

17. April 2012

0150

Otto Muehl*

(Grodnau/Bgld. 1925 - 2013 Moncarapacho/Portugal)

„o.T.“
1987
Öl auf Leinwand
150 × 180 cm

€ 35.000 - 70.000

Otto Muehl*
(Grodnau/Bgld. 1925 geb.)

o.T.
Öl auf Leinwand
150 x 180 cm
1987
Monogrammiert und datiert rechts unten: M 87
Provenienz: Österreichischer Privatbesitz
NORMALBESTEUERUNG

"kunst ist nicht abgebildete, kunst ist gemachte wirklichkeit. Der künstler ist erfinder neuer wirklichkeiten." (Otto Muehl, 2003)

In ganz Europa nahmen junge Künstler in den 60er Jahren eine Protesthaltung gegenüber dem bürgerlichen Establishment ein. Otto Muehl ging es um „Direkte Kunst“, also eine Agitation durch Kunst, nicht politisch verstanden, sondern direkt das Existentielle berührend und thematisierend.

Muehl gründete die Kommune am Friedrichshof, die sich als therapeutische Gruppe verstand - mit dem Ziel, die durch die Erziehung in der Kleinfamilie entstandene Schädigung aufzuheben und in der Gruppe zu einer sozialen Identität zu gelangen. In letzter Konsequenz jedoch musste dieser anarchistische Vorstoß als Staat im Staat scheitern und Utopie bleiben. Muehl wurde verhaftet und wegen Unzucht mit Minderjährigen zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Nach seiner Freilassung bot ihm das Burgtheater eine Bühne für sein Aktionstheater "Muchl".

In allen Entwicklungsstadien blieb die Malerei eine Konstante in Otto Mühls Schaffensprozess. Es begann mit akademischen Bildern um 1954. Nach 1962 folgte die Destruktion des herkömmlichen Tafelbilds und schließlich der Schritt aus dem Rahmen ins Räumliche der „Gerümpelskulptur“. Nach einer Pause in den Gründungsjahren der Kommune begann Otto Muehl 1974 wieder intensiv zu malen. Erste Landschaften mit Motiven des Friedrichshofs und dessen Umgebung entstanden. Daneben entstanden Selbstporträts sowie Bilder, die Jazzmusik und Tanz verarbeiteten. Politischer waren Muehls Hitler- und Stalinporträts der achtziger Jahre. (OHR)