Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

17. April 2012

0151

Hermann Nitsch*

(Wien 1938)

„Schüttbild“
1997
Öl auf Leinwand
200 × 300 cm

€ 35.000 - 70.000

Hermann Nitsch*
(Wien 1938 geb.)
Schüttbild
Öl auf Leinwand
200 x 300 cm
Signiert und datiert rückseitig: Hermann Nitsch 1997
NORMALBESTEUERUNG

Obwohl Hermann Nitsch die Idee des Orgien-Mysterien-Theaters bereits Ende der fünfziger Jahre entwickelte, und obwohl es bereits ab 1960 Aktionen und Ausstellungen des Künstlers in Wien gab, ja obwohl Hermann Nitsch schon bald zu den bekanntesten, wenn auch umstrittensten Künstlerpersönlichkeiten des Landes zählte und vor allem international hohe Beachtung fand – so wurde sein Werk bereits 1966 in London, 1970 in den USA und 1972 auf der documenta in Kassel präsentiert –, sah er sich in seiner Heimat lange, viel zu lange wütender Kritik und polemischen Angriffen ausgesetzt.

Hermann Nitsch gilt als wichtigster Initiator des Wiener Aktionismus. Diesen vertritt er, im Gegensatz zu den anderen Aktionisten Günter Brus, Otto Mühl, Adolf Frohner und Rudolf Schwarzkogler (der 1969 verstarb), noch heute. Das Orgien-Mysterien-Theater geht von der Vorstellung eines Gesamtkunstwerkes aus, unter Einbeziehung von Malerei, Architektur, Musik, Opferritual und Messliturgie, und hat – auf der Grundlage griechischer Mysterienfeste – eine Katharsis (Reinigung) zum Ziel. Diese Aspekte bestimmen bis heute Nitschs Arbeit. Die Sinne des Menschen sollen im Laufe des Spiels fast bis zum orgiastischen Höhepunkt angeregt werden, auf den dann, im Idealfall, ein Erkennen des Lebensprozesses an sich folgt. Seit 1971 finden die meisten der Orgien-Mysterien-Spiele auf Schloss Prinzendorf in Niederösterreich statt.

Am Anfang seiner Künstlerkarriere hatte sich Nitsch, angeregt durch den Tachismus und den abstrakten Expressionismus, mit der Malerei beschäftigt. Aber schon ab 1960 veranstaltete er erste theatralische Malaktionen (z.B. Blutschüttungen), die mehrere Prozesse und drei Gefängnisstrafen nach sich zogen. Bis in die achtziger Jahre widmete sich Nitsch ausschließlich der Verwirklichung seiner Idee des Orgien-Mysterien-Theaters, erst in den achtziger und neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begann er wieder mit der Fertigung autonomer Malerei und führte alle Farben des Spektrums in die Bildgestaltung ein, nachdem er sich bis dahin, wegen ihres symbolischen Gehalts, ausschließlich auf Rot gestützt hatte.

Nitsch war 1971 und 1973 Gastdozent an der Kunstakademie und an der Hochschule für bildende Kunst in Frankfurt, wo er von 1989 bis 1995 als Professor tätig war. Seine oft mehrere Tage dauernden Mysterienspiele sind erstaunlicher Weise auch heute noch geeignet, in den Medien Skandale hervorzurufen. Allerdings wächst gleichzeitig auch die Zustimmung zu seiner Kunst. Bei nicht wenigen Menschen bedurfte es dazu freilich seiner Ausstattung und Regiebeteiligung an der Oper „Herodiade“ von Jules Massenet an der Wiener Staatsoper.
Hermann Nitsch ist der einzige österreichische Künstler, dem gleich zwei Museen gewidmet sind, in Neapel und in Mistelbach. Werke von Hermann Nitsch befinden sich in zahlreichen internationalen Sammlungen und Museen, darunter im Museum of Modern Art in New York, im Centre Pompidou in Paris, in der Harvard Uni Gallery, in der Galleria d’Arte Moderna Bologna und in der Sammlung Essl.