Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

09. März 2022

2004

Gustav Klimt

(Wien 1862 - 1918 Wien)

„Studie einer nach rechts sitzenden Dame“
um 1903/04
Schwarze Kreide auf Papier
31,9 x 45,1 cm
Nachlassbestätigung von Hermine Klimt links unten: Nachlass meines Bruders Gustav / Hermine Klimt

Provenienz

aus dem Nachlass des Künstlers;
Kunsthandel Runge, Linz;
dort erworben, seither österreichischer Privatbesitz

Literatur

Vergleiche: Alice Strobl, Gustav Klimt. Die Zeichnungen 1878-1903, Bd. I, Salzburg 1980, WV-Nr. 739 und 740 sowie 1026

Gutachten von Prof. Dr. Tobias Natter, 8. Mai 2020, liegt bei.
Dr. Marian Bisanz-Prakken (Albertina, Wien) wird diese Zeichnung in den Ergänzungsband zu dem von Alice Strobl publizierten Werkverzeichnis der Zeichnungen von Gustav Klimt aufnehmen.

Schätzpreis: € 25.000 - 50.000
Ergebnis: € 27.000
Auktion ist beendet.

Diese nicht im Werkkatalog von Alice Strobl erfasste Studie einer unbekannten, im Fauteuil sitzenden Dame vertritt einen Kompositionstypus, der vor allem innerhalb der zahlreichen Zeichnungen anzutreffen ist, die Klimt im Rahmen seiner frühen modernen Porträtgemälde geschaffen hat. In diesen querformatigen Blättern ist die jeweils im Lehnstuhl Sitzende parallel oder leicht schräg zur Bildfläche angeordnet. Immer wieder bildet die im Vordergrund platzierte, nur in den Umrissen erfasste Seitenlehne eine Barriere zwischen Modell und Betrachter, was ein charakteristisches Spannungsverhältnis zwischen fast greifbarer Nähe und geheimnisvoller Distanz zur Folge hat. Diese symbolistische Darstellungsweise wurde von Künstlern wie James McNeill Whistler oder Fernand Khnopff inspiriert und offenbart sich vor allem in den Studien für die Bildnisse von Sonja Knips (1898), Marie Henneberg (1901/02), Hermine Gallia (1903/04) oder Adele Bloch-Bauer (1903-1907).

Neben den mit schwarzer Kreide auf Packpapier ausgeführten Zeichnungen für die berühmten Damenbildnisse entstand eine Reihe von Studien nach nicht identifizierbaren Modellen, denen auch die vorliegende Studie zuzurechnen ist. Den Fokus dieser Arbeit bildet die eindringliche, stenogrammhaft erfasste Mimik – ein Stilelement, das vor allem an die 1903 gezeichneten Studien für das Bildnis von Adele Bloch-Bauer erinnert. Der lineare Schwung dieser herausragenden Blätter klingt hier allerdings schon ab. Die strikte Parallelität zur Bildfläche und das ruhig gliedernde Linienspiel lassen eine Entstehung um 1903/04 – kurz bevor Klimt von der schwarzen Kreide und vom Packpapier auf die Kombination von Bleistift und Japanpapier überwechseln sollte – annehmbar erscheinen.
(Marian Bisanz-Prakken)