Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

09. März 2022

2005

Egon Schiele

(Tulln 1890 - 1918 Wien)

„Kopf eines bärtigen Mannes im Profil“
1907
Bleistift, Kohle und Pastell auf Papier
51 x 40 cm
Signiert rechts oben: Schiele

Provenienz

Dorotheum Wien, 19.11.1984, Nr. 110;
seither Privatsammlung, Wien

Literatur

Jane Kallir, Egon Schiele. The Complete Works, New York 1998, WV-Nr. D 115, Abb. S. 360

Schätzpreis: € 25.000 - 50.000
Ergebnis: € 45.000
Auktion ist beendet.

„Kunst kann nicht modern sein“. Egon Schiele war Künstler und Grenzgänger, Enfant Terrible und Provokateur. Mit seiner schonungslosen Darstellung des menschlichen Körpers avancierte er zu den schillerndsten Künstlern Anfang des 20. Jahrhunderts. Neben Richard Gerstl und Oskar Kokoschka zählte Schiele zu den Vorreitern des österreichischen Expressionismus. Fern der ästhetischen Welt des Jugendstils und Symbolismus fand das Ausnahmetalent zu einer autonomen Bildsprache, in der die menschliche Existenz roh und unzensiert zum Ausdruck kommt. Sein radikaler Blick auf den Körper, die Sexualität und die psychische Selbsterforschung machten Schiele zu einem der wichtigsten Erneuerer der Moderne.

Bereits in jungen Jahren entwickelte Schiele ein ausgeprägtes Zeichentalent. Mit 16 gelang dem Wunderkind die Aufnahmeprüfung an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Lange hielt es den Unruhestifter nicht. Der konservative Lehrbetrieb veranlasste ihn 1909 die Akademie zu verlassen und mit anderen Kommilitonen die Neukunstgruppe zu gründen. Im gleichen Jahr erregte er erste große Aufmerksamkeit auf der Internationalen Kunstschau. Neben Kokoschka wurde Schiele zu einem der neuen Shootingstars der Wiener Moderne. Ruhe und Inspiration suchte der Künstler in Krumau und Neulengbach, doch seine extreme Sicht auf die Kunst und sein freier Lebensstil machten es ihm nicht immer einfach. Bis zu seinem Tod 1918 schuf Schiele ein Werk von internationalem Rang, das heute zu den Aushängeschildern der Wiener Moderne zählt.

Das vorliegende Blatt "Kopf eines bärtigen Mannes im Profil" um 1907 fällt in die akademische Frühphase, als Schiele an der Akademie am Schillerplatz unter Christian Griepenkerl studierte. Vom konservativen Unterricht zeigte sich Schiele schnell resigniert. 1907 lernte er Gustav Klimt kennen, den Mastermind der Wiener Moderne. Unter seinem Einfluss löste er sich vom Akademismus hin zu einer vom Jugendstil propagierten Flächenkunst. In der Pastellzeichnung spiegelt sich Schieles virtuoses Zeichentalent wider. Dabei konzentriert sich der geniale Grafiker auf die detaillierte Wiedergabe der plastischen Form anhand der Lichter, die er in der von dunklen Erdtönen dominierten Zeichnung setzt.
(Stefan Üner)