Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

08. Juli 2021, 14:00 Uhr

2040

Artur Nikodem

(Trient 1870 - 1940 Innsbruck)

„Schloss Sonnenburg“
1920
Öl auf Karton
34 x 37,5 cm
Monogrammiert und datiert rechts unten: AN 20
Rückseitig auf Etikett bezeichnet: No. 344/1921 Sonnenburg / Pustertal. Herbst 1920. / Artur Nikodem / Innsbruck - Tirol / H 1832

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Literatur

Artur Nikodem (1870-1940), Leben und Werk, Dissertation, mit einem Werkverzeichnis, Innsbruck 2003, WV-Nr. 222, Abb. S. 34

Schätzpreis: € 15.000 - 30.000
Ergebnis: € 30.000
Auktion ist beendet.

„Ich habe Sachen zu sagen, die nur durch Formen und Farben ausgesprochen werden können, und deswegen muss ich malen.... Ich forsche mich durch Farben und Formen hindurch und erlebe.“ (Artur Nikodem, Tagebucheintragung, 9. 1. 1915, in: Günther Dankl, Judith Simoni-Lang, Artur Nikodem, Ausstellungskatalog, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck 2000, S. 124)

1919 kommt Artur Nikodem aus Konstantinopel retour, wo er als Kommandant der Telegrafenabteilung ab 1916 seinen Militärdienst absolviert hat. Die orientalische Lebenswelt mit ihren intensiven Farben, denen er auf den Märkten und in den Dekorationen der Häuser, in den Teppichen, bunten Stoffen und Majoliken begegnet, beeinflussen auch seine Malerei.

1920 malt er das herbstliche Südtiroler Pustertal. Majestätisch thront Schloss Sonnenburg, auch Castel Badia genannt, erhöht über dem Tal, wo die Gader in die Rienz mündet. Auf den Resten einer Burgruine aus dem 11. Jahrhundert erbaut, beherbergte das Schloss für 800 Jahre ein Benediktinerinnen-Kloster. 1785 wurde das Koster aufgehoben und nach Jahren als Militärhospital und Armenwohnheim der Gemeinde, dient die Anlage seit den 1970er Jahren als Hotel. Zur Zeit Artur Nikodems war lediglich der Wohntrakt der Nonnen genutzt.

Das annähernd quadratische Format des Bildes verweist auf Artur Nikodems Wurzeln im österreichischen Jugendstil, die Anordnung der einzelnen Landschaftsteile in bildparallelen Ebenen und der Verzicht auf illusionistische Effekte ist eine Reminiszenz an die japanische Grafik, die Anfang des 20. Jahrhunderts nachhaltigen Einfluss auf die europäische Malerei hatte. Weitere Merkmale verweisen auf die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Strömungen. Nikodem setzt breite, flächig aufgetragene Farbpartien nebeneinander, trennt sie mit dunklen, breiten Konturen als Farbfelder voneinander. Der weitgehende Verzicht auf Plastizität und Räumlichkeit bei einer ausgeprägten Farbigkeit, belegen seine Auseinandersetzung mit der Malerei der Fauves um Henri Matisse. Es zeigt die Aufgeschlossenheit des Künstlers gegenüber zeitgenössischen Strömungen, die ihn im Vergleich mit seinen Tiroler Malerkollegen Alfons Walde und Albin Egger-Lienz einzigartig macht. Verschiedene Elemente damals revolutionärer Richtungen finden sich im Werk des Künstlers wieder, in einer wie selbstverständlich wirkenden Kombination zu einer eigenständigen, unverwechselbaren Handschrift verwoben. Dabei spielt die Farbigkeit, die durch den Aufenthalt im heutigen Istanbul, an der Schwelle vom Okzident zum Orient, für sein Werk noch bedeutsamer und freier wird, eine wesentliche, tragende Rolle.
(Sophie Cieslar)