Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

17. Dezember 2020, 17:00 Uhr

Objektübersicht
Objekt

1905

Arnulf Rainer*

(1929, Baden)

„Kreuz“
1987-88
Öl auf Fotografie auf Holz; gerahmt
209 x 126 cm
Signiert und datiert rückseitig auf Holzplatte: A. Rainer / 1987/88
Ausstellungsetiketten rückseitig

Provenienz

österreichische Privatsammlung

Ausstellung

1989 New York, Guggenheim Museum;
1989 Chicago, Museum of Contemporary Art;
1989/90 Wien, Historisches Museum der Stadt Wien

Literatur

ARGE Gabriele Wimmer & John Sailer, Arnulf Rainer, Ausstellungskatalog, Guggenheim Museum New York, München 1989, Abb. 88

€ 200.000

1989 hatte Arnulf Rainer als erster zeitgenössischer österreichischer Künstler eine Ausstellung im Solomon R. Guggenheim Museum in New York. Danach ging die Ausstellung ins Museum of Contemporary Art nach Chicago und abschließend in das Historische Museum der Stadt Wien. Die ca. 140 Arbeiten umfassende Retrospektive hat die internationale Bedeutung des Werkes von Arnulf Rainer positioniert und erkennbar gemacht. Eine der dafür ausgewählten Arbeiten ist dieses hier vorliegende Kreuz.
Es ist eine imposante leuchtende Arbeit auf zusammen montierten Holzplatten mit einer darauf affichierten Fotografie als Bildgrund. Wahrscheinlich ein Selbstporträt. Die verwendete Kreuzform ist das Antoniuskreuz. Ein T-Kreuz ohne expliziten Kopfteil. Rainer veränderte diese Form, indem Kopfteil und Mittelteil zu einer rechteckigen Platte verschmelzen und so die Proportion als Hochformat erhalten bleibt. Diese Veränderung nimmt die christliche Konnotation heraus. In der Bearbeitung ist es eine auf die Vertikale ausgerichtete Fingermalerei, teilweise verwischt und in Rinnsalen endend. Der Handabdruck wird als gestalterisches Element eingesetzt. Das zeichnerische Darunter und die Fotografie ist nur mehr am Rande sichtbar. Der Blick des Betrachters wir auf die Längsrichtung gelenkt. Rot begrenzt von Schwarz lässt das wuchtige Format elegant und leicht erscheinen.

Das Kreuz in Form, Zeichen und Prinzip erscheint in allen Schaffensphasen des Künstlers. Die künstlerische Bedeutung des Kreuzes liegt in der Fähigkeit ein Zentrum zu fixieren und dadurch Konzentration, Dichte und Stabilität zu vermitteln. Das Kreuz an sich ist eine geometrische Formation. In unserem Kulturraum ist das Zeichen fest mit dem Martyrium Christie und der Heilsgeschichte verbunden. Als anthropologisches Zeichen wird es mit der Gestalt des Menschen identifiziert. Bei Rainer trifft man in seinem gesamten Oeuvre, unabhängig von der Maltechnik, auf Varianten und Abwandlungen der Kreuzform. Im Gegensatz zu seinen frühen Kreuzkompositionen, die kontemplative, mystische meist monochrome Übermalungen sind begegnen uns die Kreuze der 80er Jahre fließend und bewegt. Die kraftvollen Gesten, in übereinander gesetzten Farbschichten unterschiedlicher Techniken und Materialien, bleiben sichtbar und schaffen einen geheimnisvollen Zusammenhalt.

Das Kreuz wird zu einem Erkennungszeichen für Arnulf Rainer. Finger- und Handmalereien sind ebenfalls charakteristisch für sein Werk. Die Verbindung von energetischer Bearbeitung, Foto-Überzeichnung, Zumalung und Fingermalerei trifft sich in der Kreuzform zu einer intensiven Lebendigkeit und Erhabenheit.

(Christa Armann)