Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

17. Dezember 2020, 14:00 Uhr

1303

Oskar Kokoschka*

(1886, Pöchlarn - 1980, Montreux)

„Mädchenakt“
1918
Aquarell auf Papier
68,5 x 50,5 cm
Signiert und datiert rechts unten: OKokoschka / 1918 / Dresden

Provenienz

1961 vom Vater des derzeitigen Eigentümers erworben, seither Privatbesitz Italien

Ausstellung

1958 Den Haag, Dienst Voor Schone-Kunsten's;
1971 Turin, Galleria Civica d'Arte Moderna, Il Cavaliere Azzurro: Der Blaue Reiter, 18.03.-16.05.

Literatur

Luici Carluccio, Il Cavaliere Azzurro. Der Blaue Reiter, Katalog Galleria Civica d'Arte Moderna, Turin 1971, s/w Abb. S. 132

€ 40.000

Nach Kokoschkas Verwundung bei seinem Kriegseinsatz 1916 bemühte er sich um eine Professur in Dresden. Er verbringt seine Rekonvaleszenz im Sanatorium Weißer Hirsch bei Dresden und erhält ab 1919 die Professur an der Staatlichen Akademie für Bildende Künste. Diese übte er bis 1923 aus. Der expressive Umgang mit Farbe, Materialität, Licht und Pinselführung bestimmt die Arbeiten dieser Zeitspanne.

Oskar Kokoschka wird zum Meister des Aquarells. Blitzschnell und unkorrigierbar ist diese Methode - darin liegt die Herausforderung für den Künstler. In seinen früheren Arbeiten verwendete Kokoschka diese Technik zur Kolorierung. In seiner Dresdener Zeit entstanden erstmals reine Wasserfarbenbilder wie auch die vorliegende Arbeit. Aus Farbflächen und Farbflecken setzt Kokoschka das Bild zusammen. Der Bildgrund bleibt erkennbar. Aussparungen lassen den Körper in den Raum treten. Es ist keine starre Aktdarstellung. Der Schatten macht die Bewegung sichtbar. Die Besonderheit liegt in der Dynamik, die Kokoschka einfängt. Standbein und Spielbein zeigen die klassische Körpersprache des Gehens. Diese betont Kokoschka zusätzlich durch den Hintergrund. Dort, wo der Körper vorher gewesen ist, bleibt noch intensive Farbe. Der Körper befindet sich in Bewegung. Der Körper schafft sich einen Raum.

Es geht Kokoschka auch um die Notwendigkeit der raschen Umsetzung des Gesehenen. Ein rasches Erfassen des Momentes der Bewegung. Der Körper als Ausdruck. Genauigkeit und Präzision zeigen sich nicht in einer naturalistischen Wiedergabe, sondern in der Umsetzung in eine eigene künstlerische Sprache, die uns als Betrachter neue Möglichkeiten des Sehens eröffnet.

Die Aquarelle von Oskar Kokoschka sind abgeschlossene Kunstwerke und dokumentieren seine stilistische Entwicklung. Farbe und Licht sind die herausragenden Merkmale der in Dresden entstandenen Ölbilder. Im Aquarell zeigt sich die künstlerische Bestimmtheit in der spontanen Eindeutigkeit der Form und im mutigen Einsatz von Farbe.
(Christa Armann)