Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

25. Juni 2020, 17:00 Uhr

1757

Arnulf Rainer*

(1929, Baden)

„Schleierkreuz“
1998
Mischtechnik, Applikationen auf Holz; gerahmt
122 x 81 cm
Rückseitig signiert und datiert: A Rainer 1998

Provenienz

aus dem Nachlass von Dr. Reinhard Rainer

€ 72.000

Arnulf Rainers Bildsprache definiert sich immer wieder neu und bleibt doch bei seinem Ursprung - Geste und Farbe. Die Übermalung findet sich in allen seinen Werkgruppen. Die ersten Überarbeitungen um 1955 sind Stilllegungen des Dahinterliegenden. Abdeckungen. In weiterer Folge werden seine Übermalungen sichtbar dialogischer. Der Malgrund in Form von eigenen oder fremden Arbeiten ist Inspiration für Akzentuierung, Verdeckung und Hervorhebung. Die Hand und Fußmalereien der 1980er Jahre sind in ihrer pastosen Farbigkeit und aggressiven Geste Vorläufer und gleichzeitig Gegenstücke zu Rainers Schleierbildern der 1990er Jahre. Eine Serie von Arbeiten in denen die Aggression und Pastosität einer Fragilität und Zartheit weicht ohne an Intensität zu verlieren.

Die Vorliegende Arbeit ist aus einer Serie die zusätzlich noch ein artifizielles Moment aufweist. Rainer lässt den Malgrund, die Holzplatte, mechanisch reliefieren durch Rasterbleche, Schnitte, Schrot und Applikationen. Es entsteht der Eindruck einer Mikrostruktur oder einer naturwissenschaftlichen Gewebestruktur. Der Malgrund ist aufgrund seiner Haptik und seiner künstlichen Bearbeitung ein wesentlicher Bestandteil des Kunstwerkes. Die Bildfläche ist aufgebrochen und appliziert. Darüber legt Rainer lasierende Farbschichten. Breite Farbbahnen, die sich mit dem Grund verbinden und die Reliefstruktur besonders hervortreten lassen. Sehr prägnant in der angebotenen Arbeit ist die gefräste abgerundete Kreuzform, die in der breiten Geste mitschwingt und der quer-liegende, orange-farbige Schwung, der aus dem Hintergrund hervortritt. Die Rinnsale sind die Spuren eines Zufalls. Die letzten Reste von Chaos.
Die Schleierbilder sind von einer außergewöhnlichen Poesie und von einer besonderen Weisheit und Akzeptanz. In Harmonie von Farbe und Geste mit dem vorgefertigtem Bildgrund entstehen Arbeiten von einnehmender Ästhetik.
(Christa Armann)