Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

18. Juni 2019, 15:00 Uhr

0745

Erwin Bohatsch*

(Mürzzuschlag 1951)

„o.T.“
1997
Öl auf Leinwand; ungerahmt
190 x 240 cm
Rückseitig signiert und datiert: Bohatsch 10. 97

Provenienz

Privatsammlung, Wien

€ 16.000

In den Anfängen seiner Malerei steht Erwin Bohatsch den „Neuen Wilden“ wie Siegfried Anzinger, Herbert Brandl, Gunter Damisch, Alois Mosbacher, Hubert Scheibl und Thomas Reinhold nahe. Die frühen Arbeiten sind figurativ und expressiv mit bunten Erdfarben gemalt. In weiterer Folge entwickelt er sich aber immer weiter in Richtung Abstraktion, wobei er eine äußerst reflektierte, kontemplative Malerei ausbildet, bei der der Schaffensprozess und die Materialität immer mehr in den Vordergrund rücken. Der Künstler begibt sich in einen Dialog mit sich selbst: „Was kann Malerei, kann sie noch mehr, muss sie abbildhaft sein, kann sie etwas anderes auch? Dadurch bin ich fast notgedrungen in die Abstraktion hinein.“ (https://www.youtube.com/watch?v=eZdeKj7iC5U, aufgerufen am 5.5.2019)

Einen Höhepunkt markieren die fast monochromen, in Weißschattierungen gearbeiteten Bilder, in denen er lasierende Farbschichten von kaum wahrnehmbarer unterschiedlicher Tonalität übereinander legt, die wie Schleier die Leinwand überziehen und sich je nach Lichteinfall verändern können. Dabei geht es Erwin Bohatsch um Formen und Farbdialoge, die in der Schichtung Assoziationen von Schneelandschaften oder Höhlenstrukturen erzeugen können, vom Künstler aber nicht zwingend intendiert sind: „Die Assoziationskette ist nicht zu durchbrechen, aber der Unterschied ist der, dass ich das offen lasse“. (s.o.) Er tritt in einen Dialog mit der Leinwand, überlegt sich das Material, baut auf, nimmt zurück, schichtet und reduziert und arbeitet mit der Flüssigkeitskonsistenz der Farbe und schließt so den Zufall bewusst mit ein. Entscheidend ist aber in jedem Moment die Gewichtung der Bildkomponenten, ebenso wie die Komposition. In der direkten Übertragung auf die Leinwand liegt auch eine emotionale Komponente: „Es geht mir auch um Lust, Emotionen, Zärtlichkeiten, ich würde gerne eine Sprache entwickeln, eine eigene, die Kommunikation möglich macht. Wie ein Musikstück voll Rhythmus, Schwere, Heiterkeit, Sentimentalitäten. Das ist für mich eine Möglichkeit mich auszudrücken, mit der Gesellschaft in Kontakt zu treten.“ (s.o.) (Sophie Cieslar)