Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

18. Juni 2019, 15:00 Uhr

0744

Hubert Scheibl*

(Gmunden 1952)

„No Ginger W “
2005/07
Öl auf Leinwand; ungerahmt
200 x 160 cm
Rückseitig bezeichnet, signiert und datiert: "No Ginger W", Hubert Scheibl 2005/07

Provenienz

Privatsammlung, Wien

Schätzpreis: € 25.000 - 45.000
Ergebnis: € 42.000
Auktion ist beendet.

Hubert Scheibl komponiert mit vitaler, dynamischer Geste und zugleich wohldurchdacht, zielgerichtet und kontrolliert. Variantenreich bindet er sein Material Farbe auf den Bildträger. Die in der großformatigen Arbeit “No Ginger” von 2005/07 in ein atmosphärisch-kosmisches Dunkel gebetteten Farbschlieren, -flecken und -nebel kreieren ein flirrendes und beschwingtes Bewegungsspiel. Die leuchtenden, von spürbarer Sensibilität beseelten Malspuren animieren das Auge zu fokussieren, in den Bildraum zu zoomen. Und gleichzeitig möchte man die Malerei in ihrer Gesamtheit erfassen. Indem er den Blick in eine angenehm-lustvolle Schwingung versetzt, in ein fließendes Vor und Zurück, Hin und Her, schafft Scheibl in dieser Unendlichkeit evozierenden Komposition mittels feingliedriger Gesten einen spannungsvollen Moment. “Es geht um das Spiel zwischen Nähe und Ferne, Intimität und Öffentlichkeit”, beschreibt Hubert Scheibl Grundlegendes seiner Arbeit. (Hubert Scheibl, 2016) Der Künstler changiert zwischen entgegengesetzten Polen, beschäftigt sich mit Kontrasten – inhaltlich, wie auch formal. Die Arbeit vor uns beinhaltet den für Scheibl programmatischen Wechsel zwischen grafischer Geste und flächigem Farbauftrag.

“No Ginger W” entsteht nach einer mehrmonatigen Ausstellungsreise durch China, die Hubert Scheibl 2005 gemeinsam mit den Künstlerkollegen Erwin Bohatsch, Herbert Brandl, Gunter Damisch, Walter Vopava und Otto Zitko unternahm. In der jungen Bewegung “Neue Wilde” der frühen 1980er Jahre vereint, beschworen diese Künstler die erneute Hinwendung zu Material und Malerei. Mit seiner sinnlichen, lebensbejahenden, abstrakt-expressiven Malerei bleibt Scheibl bis heute diesen Anfangsjahren treu. Seine Arbeit befindet sich allerdings stets in Veränderung, in Bewegung. Wie er in seinem Arbeitsprozess verfährt, erzählt der Maler 2016 in einem Interview: “Ich baue ein System auf und arbeite mit Abweichungen bis wieder etwas Neues entsteht. Innerhalb eines jeden Systems gibt es, glaube ich, Umwege und Anomalien, die immer häufiger werden, bis sie schließlich einen Wechsel herbeiführen. Schließlich bin ich auf der Suche nach einem evolutionären Urstrom, sei es in der Malerei, in der Zeichnung oder wenn ich Musik mache. (Hubert Scheibl, 2016). Wir erleben bei Hubert Scheibl eine Reise substanzieller Natur, bis hin in seelische Tiefen und an die Grenzen der Malerei. Ständig ist der Künstler am Erforschen, am Weiterdenken und - fühlen. Er selbst bezeichnet seine Arbeit als eine “forschende Bewegung, die sich intuitiv unbekannten Energiefeldern und Energieformen nähert.” (Hubert Scheibl, 2009) (Isabell Kneidinger)