Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

19. Juni 2018, 18:00 Uhr

0342

Carl Moll

(Wien 1861 - 1945 Wien)

„Beaulieu“
1930
Öl auf Holz
34,5 x 35,5 cm
Monogrammiert links unten: CM
Rückseitig betitelt: I aus Beaulieu

Provenienz

aus dem Nachlass des Künstlers;
Privatbesitz, Wien

Ausstellung

1931 Wien, Secession, CXVII. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Wiener Secession, Frühjahrsausstellung, 18. April – 26. Juli, Nr. 90 (o. Abb.)

Das Gemälde wurde von Cornelia Cabuk für das Werkverzeichnis Carl Moll in der Reihe der Belvedere Werkverzeichnisse dokumentiert.

€ 45.000

Der Süden Frankreichs mit der französischen Riviera war in den Jahren um 1930 ein beliebter Aufenthaltsort der Familie Moll. Dort verlebte man auf angenehme Weise die Tage in Gesellschaft von Freunden wie Julius Meier-Graefe und René Schickele, dessen Buch über die Vogesen Carl Moll als Landschaftsmaler besonders schätzte. Moll bedauerte, dass der „bodenständige Charakter“ der französischen Riviera durch die „internationale Berühmtheit“ gelitten habe. Daher suchte er dort oft abgelegene Orte zum Malen auf und vermied spektakuläre Blickpunkte. Wie seine Freunde war Moll frankophil und ein großer Verehrer der französischen Malkultur. In der Frühjahrsausstellung 1931 zu Ehren seines 70. Geburtstages in der Wiener Secession, die Carl Moll 1897 mit seinen Künstlerfreunden Gustav Klimt und Koloman Moser u. a. mitbegründet hatte, zeigte er in seiner Kollektion von 28 Werken zwei Gemälde mit Motiven aus Beaulieu: „Beaulieu, Straße“ und „Beaulieu, Olivenweg“. Wenn man diese Gemälde auch heute nicht mit Sicherheit identifizieren kann, meinte Moll über diese künstlerische Phase in seinem Spätwerk: „Ich übersehe heute meine Arbeiten aus dieser Zeit und erkenne sie als die besten, die ich ferne der Heimat, zustande gebracht habe.“ (Carl Moll, Mein Leben) Moll schätzte die junge Generation der Künstler und hatte noch im fortgeschrittenen Alter beim fast 30 Jahre jüngeren Robin Christian Andersen, einem ehemaligen Freund Egon Schieles und Mitglied der Neukunstgruppe und des Hagenbunds, Malunterricht genommen.
In seinem Motiv aus Beaulieu malte Moll einen perspektivischen Einblick in einen, für die mediterrane Landschaft typischen Hohlweg, der abschnittweise durch Bruchsteinmauerwerk begrenzt wird. Beidseitig spenden Olivenbäume und Föhren Schatten, sodass das helle Sonnenlicht nur an wenigen Stellen durch die Baumkronen fällt und auf der sandigen Straße ein abwechslungsreiches Muster heller Beige- und Gelbtöne erzeugt. Insgesamt erstrahlt der Landschaftsausschnitt mit vereinzelten Spaziergängern im hellen, südlichen Licht, das Moll hier eindrucksvoll in Farbe umsetzt. (Cornelia Cabuk)