Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

06. Dezember 2017, 18:00 Uhr

0638

Peter Proksch*

(Wien 1935 - 2012 Wolkersdorf)

„Das Einhorn“
1987/88
Harzöl, Eitempera auf Holzfaserplatte; gerahmt
80 × 80 cm
Signiert und datiert rechts unten: Proksch 1987/88

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

Literatur

Alexander Giese, Peter Proksch. Gemälde, Zeichnungen, Gouachen von 1957 bis 1990. Wien, München 1991, Abb. S. 97

€ 18.000

Im Wien der Nachkriegsjahre richtete eine Reihe junger Künstler ihre Aufmerksamkeit – anders als ihre zeitgenössischen Kollegen, die sich der Abstraktion verschrieben hatten – „zurück“ auf die surrealistische Bewegung, die 1922/23 aus der Züricher „Dada“ Szene hervorgegangen war und sich vorallem mit der Bedeutung des Unterbewussten und des Traumes auseinandersetzte. Der Maler Edgar Jené hatte 1935 aus Paris die Philosophie des französischen Surrealismus nach Wien gebracht und 1948 zusammen mit Paul Celan und Arnulf Neuwirth die erste Surrealismusm-Ausstellung in Wien organisiert. Gleichzeitig ließen die Künstler auch die Verbindung zur neuen Sachlichkeit bestehen, die als Reaktion auf die Formauflösung entstanden war. Zu diesen ersten Mitgliedern der „Wiener Schule des fantastischen Realismus“ gehörten Anton Lehmden, Ernst Fuchs, Rudolf Hausner, Arik Brauer, Wolfgang Hutter, Kurt Steinwendner und Fritz Janschka, die sich in ihren Werken – jeder auf die seine Weise – mit symbolischen, surrealistischen und mythischen Elementen auseinandersetzten, beeinflusst von ihrem Lehrer und Mentor Albert Paris Gütersloh. Außerdem verband sie die Verwendung alter Techniken wie der Lasur und dem Tafelbild. Träume, Märchen, Magie, Verweise auf Sagen, Mythen und alte Symbole, Schönes wie Groteskes bildeten ihre Formensprache.

Auch Peter Proksch setzte sich in seiner Malerei mit diesen Inhalten auseinander, er interessierte sich dabei aber besonders für Mythen und Sagen sowie religiöse Symbolik. Die Anfänge der menschlichen Kultur, in denen magische Abläufe und Riten Leben und Handlung der Menschen bestimmten, faszinierten ihn, er las alte Texte und griff in seinen Bildern auf ein reiches Repertoire an Tieren und Gestalten aus der griechischen und ägyptischen Mythologie zurück, deren Geschichten er in märchenhaften Gärten und Landschaften schildert. Seine Bildsprache ist inhaltlich stark in der Psychologie verwurzelt, eine Sehnsucht nach den archaischen Urkräften und Geheimnissen prägt seine Werke, verbunden mit einer Lust an der feinen, akkuraten Malerei wie sie von den alten Meistern angewendet wurde.

Das Einhorn ist eines der berühmtesten Fabeltiere und ist, im Gegensatz zu vielen anderen, durchwegs positiv besetzt. Es steht für das Reine, Gute, bisweilen sogar für die Mutter Gottes selbst und seinem Horn wurden heilende, magische Kräfte nachgesagt. Der Legende nach kann sich einem Einhorn nur eine Jungfrau nähern bzw. es einfangen, da sie selbst rein und unschuldig ist. Proksch schildert im hier gezeigten Bild im Vordergrund die Jungfrau in Eintracht mit dem Fabeltier in einer Art „hortus conclusus“, während in zwei Szenen im Hintergrund Männer vergeblich versuchen, das Tier einzufangen. (Ina Waldstein)