Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

06. Dezember 2017, 18:00 Uhr

0637

Helmut Leherb*

(Wien 1933 - 1997 Wien)

„Le Chevalier du Casse-Temps“
1965
Öl auf Leinwand; gerahmt
46 × 38,5 cm
Signiert und datiert rechts unten: Leherb, Paris 65
Rückseitig signiert und datiert: Leherb, 1965
Rückseitige Klebeetikette

Provenienz

Privatbesitz, Wien

€ 32.000

„Le Chevalier du Casse-Temps“ ist ein Paradebeispiel für die Malerei Leherbs. Der vor 20 Jahren verstorbene Mitbegründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus war stets einer ihrer auffälligsten Vertreter. Dabei wandte er sich gleichzeitig über die Jahre immer stärker von der erzählerischen Märchenhaftigkeit dieser Richtung ab und folgte mehr und mehr den Grundsätzen des Surrealismus. Seine Arbeiten sind voller Allegorien: Sie sind Rätsel, die sich aus Gesichtern, Farben, Gegenständen zusammensetzen und deren Bedeutung nicht immer auf den Grund gegangen werden kann. Das meisterhafte Spiel mit Realität und Illusion erzeugt Spannung: In der unteren Bildhälfte entsteht der Eindruck von organischer Verwundbarkeit, dem sich das Gesicht und selbst der an sich so banale, hier aber zur geheimnisvollen Chiffre gewundene Hutständer im Hintergrund, entziehen.

Die Auseinandersetzung und Inszenierung der eigenen Person – der „Chevalier“ trägt das Gesicht des Malers – und die Verwendung des einprägsamen Blau sind weitere, immer wiederkehrende Elemente im Werk Leherbs. Die leuchtende Qualität der Farben, die kühle, glatte Oberflächenbehandlung erinnern an Email und lassen daran denken, dass der Maler mehrere teils gigantischen Fayence-Werke umgesetzt hat. Die illusionistische Maltechnik, das Spiel mit Klarheit und Unklarheit der Bildbedeutung, machen die Arbeiten Leherbs zu zeitlosen Kunstwerken, die Blicke auf sich ziehen und den Geist zum Dialog bitten. (Nina Binder)