Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

06. Dezember 2017, 18:00 Uhr

0662

Markus Prachensky*

(Innsbruck 1932 - 2011 Wien)

„Etruria Blues“
1982
Acryl auf Leinwand; ungerahmt
175 × 130 cm
Signiert und datiert rechts unten: Prachensky 82
Rückseitig signiert und datiert
Rückseitig bezeichnet: Etruria Blues - 24 - 1982

Provenienz

österreichischer Privatbesitz

€ 40.000

"(…) Da ward eine grosse Stille. Und die bewahrte sich und enthielt alle nur denkbare Langsamkeit im Tönen. Und nichts begab sich - aber es war da. Ruhe. Und derlei malt Markus Prachensky. Er begab sich an Orte und in Gegenden, die ihn faszinieren. Vielleicht hat er zunächst davon geträumt, dann darüber gelesen oder auch gehört. Er sammelte Informationen und heimste Wissen darüber ein. Dann organisierte man alles und reiste hin; mehrfach um die Welt - ohne Kamera, ohne Film- und Videogeräte, ja auch ohne Tagebuch. Am "richtigen" Ort bleibt er so lange wie nötig, um Bilder und Atmosphäre sich zu eigen zu machen. Dazu braucht er weder Notizen noch Schnappschüsse. Was ist der "richtige" Ort? Früher gab er seinen Bildern als Titel den Ort ihrer Entstehung. Er malte, was zu malen ihm notwendig war, da wo er sich gerade aufhielt. So spiegeln diese Bilder nicht unbedingt den jeweiligen "genius loci". "Berlin", "Wiesbaden" oder "Aschaffenburg" sind Bilder, die dort gemalt worden sind - sie zeigen keinerlei Stadtansichten.

Das ändert sich in den siebziger Jahren, wo er Reisen unternimmt, nicht um irgendwo behaust zu sei, sondern den Ort, die Gegend, die Landschaft, das Licht, die Geschichte und die Stimmung aufzusaugen - auf dass Bilder entstehen möchten. Mit Italien - vor allem dem Süden - begann es. Wo, wenn nicht eben dort, könnten Bilder zu entstehen beginnen, die Sardinien, Bali, Korsika, Hong Kong, oder Luxor sind. Viel Kulturgeschichte mag man da herauslesen oder -sehen. Denn es sind nie Momentaufnahmen augenblicklicher Befindlichkeit. Zurückgekehrt malt er im Atelier keine Reisetagebücher mit biographischer Präzision: Monat, Tag, Uhrzeit … Da herrscht kein Getöse und Gedränge, mag es dort auch noch so turbulent zugegangen sein. Da ist eine grosse Stille. Der Maler nimmt sich und sein situationistisches Gefühl zurück. Gelassenheit, die in End-Gültigkeit überzugehen scheint. (…)"
(Aus: Manfred de la Motte, Markus Prachensky, Eine Retrospektive, Ausstellungskatalog der Österreichischen Galerie Belvedere, S. 96/97, Wien, 2002)