Auktionshaus

Auktion: Klassische Moderne

05. Dezember 2017, 18:00 Uhr

0328

Jean ( Hans ) Egger

(Hüttenberg 1897 - 1934 Klagenfurt)

„Porträt Signe“
um 1928
Öl auf Leinwand
61 x 50 cm
Monogrammiert unten mittig: E

Provenienz

aus dem Nachlass des Künstlers;
österreichischer Privatbesitz

Literatur

Dieter Volkenmarkt, Jean (Hanno) Egger (1897-1934). Ein Kärntner Maler in der Emigration - Bemerkungen zu einem torsohaften Ouevre, in: Die Brücke, Kärntner Kulturzeitschrift, 6. Jg. H 12 Herbst, Klagenfurt 1980, Abb. S. 125;

Beglaubigungsnachweis von Dietmar Nadrag, Jean-Egger-Nachlass, Pörtschach am Wörthersee, Dezember 2016, liegt bei.
Das Gemälde wurde von Cornelia Cabuk für das Werkverzeichnis Jean Egger in der Reihe der Belvedere Werkverzeichnisse dokumentiert.

€ 67.000

Jean Eggers malerisches Oeuvre kreist um ein Hauptthema: Bildnisse seiner aus Schweden stammenden Lebensgefährtin Signe Wallin. Er hatte sie in Paris kennengelernt, wo sie mit einer Freundin das Hutmachergeschäft „Mia Wallin“ betrieb. Aus Kärnten stammend, lebte er selbst von 1925 bis 1932 in der französischen Kunstmetropole, wo er in der Nähe ihres Schneidersalons wohnte. Eggers anhaltende Faszination durch Signe resultierte in einer in jeglicher Hinsicht beeindruckenden Bildnis-Serie, welche sich ab dem Zeitpunkt ihrer Bekanntschaft über seine gesamte Schaffensperiode hinzog und die in ihrer künstlerischen Intensität und Hingabe einzigartig ist. Der intime Charakter dieser Frauenbildnisse dokumentierte distanzlos emotionale Phasen dieser Lebensgemeinschaft, ohne Details ihres Charakters preiszugeben. Deutlich bemerkbar wird ihre Rolle als Muse und ihre vitale Bedeutung für den Künstler.

Das Gesicht der Porträtierten nimmt nahezu die gesamte Bildfläche ein. Wie eine Emanation der in temperamentvollen Pinselzügen kompakt aufgetragenen Farbmaterie kristallisieren sich die einzelnen Merkmale ihres Antlitzes heraus und man erkennt eine junge Frau mit schulterlangem, gelocktem Haar. Ihre Gestalt erscheint leicht rechts von der Bildachse, wodurch der akzessorische Charakter dieser Situation zwischen zwei Menschen betont wird. Als auffälligstes Merkmal fesselt der aus dem Bildraum ins Leere gerichtete Blick den Betrachter. Die aufgewühlte Farbmaterie des abstrakten Bildgrunds in Augenhöhe Signes verweist auf die emotionale Spannung zwischen Maler und Modell. Egger reflektierte im freien Pinselduktus und im abstrahierenden Einsatz der Farbe das innere Zustandsbild der Psyche. In dieser haptisch und farblich divergierenden Gestaltung des Gemäldes in einzelnen Zonen mit Abstraktionstendenz, welche die emotionale Energie des Sujets umsetzen, wies Egger voraus auf die Entwicklung des Informel. Er war ein meisterhafter Kolorist, der das Gegenständliche im opaken Farbraum und im autonomen Charakter der Faktur weitgehend auflöste. Der Akzessorische wie spielerische Umgang mit der Farbe, das Setzen einzelner Akzente, zeigte ein freisinniges Temperament, welches sich im Rahmen der École de Paris allenfalls mit Chaïm Soutine oder Modigliani vergleichen ließ.

Egger, der sich in vornehmen Kreisen der Pariser Gesellschaft bewegte, wurde als Künstler dort anerkannt und beteiligte sich regelmäßig an den Ausstellungen des Salon des Tuileries. In seiner malerischen Entwicklung erwies er sich als überaus moderner Künstler, der das österreichische Temperament auf fruchtbare Weise mit der französischen Malkultur verband. (Cornelia Cabuk)