Auktionshaus

Auktion: Zeitgenössische Kunst

21. Juni 2017, 18:00 Uhr

0843

Karl Prantl*

(Pöttsching 1923 - 2010 Pöttsching)

„Stein zur Meditation“
1968
Stele, Vermont Marmor
106 × 33 × 10 cm

Provenienz

in den frühen 1980er Jahren direkt vom Künstler erworben; seither Privatbesitz, Deutschland

€ 35.000

Klarheit und Eleganz verkörpert Karl Prantls „Stein zur Meditation“ von 1968, ein schmaler, glatt polierter Marmor-Monolith. Karl Prantls Arbeiten kennzeichnet eine stark reduzierte Formensprache, womit der Bildhauer eine herausragende Position in der österreichischen Kunst der Nachkriegszeit einnimmt. Obwohl Prantl kaum figurative Absichten zugeschrieben werden, bedienen die runden, axial und vertikal angeordneten Noppen, die der Künstler im Steinquader herausarbeitet, den Vergleich mit einer menschlichen Wirbelsäule. Eine ähnliche, Wachstum oder auch Emporstreben veranschaulichende Prägung, taucht bei Prantls Werkgruppe der Meditationssteine, die Mitte der 1950er Jahre ihren Ursprung hat, wiederholt auf. Dem Stein Innewohnendes stülpt sich tropfenartig heraus, versetzt das Material in Schwingung und bringt es zum Atmen. Das ornamentale Perlenband – eine zeichenhafte, plastische Tätowierung in Marmor-Haut – nimmt dem Stein einerseits dessen Gewicht, andererseits schafft es Ordnung und Stabilität. Es unterstreicht die Beschaffenheit des Materials, dessen Marmor-Adern ebenfalls vertikal ausgerichtet sind. Karl Prantl geht stets auf das Wesen, den „Geist“ des Materials ein und versucht „die gewählte Geometrie der Außenkontur und der Binnenform […] mit dem Material zu versöhnen“ (Peter Weiermair in: „Karl Prantl. Plastiken 1950-1981“, Wien 1982, S.8).

In Prantls puristischer, sinnlich-abstrakter Arbeit spielt Ursprünglichkeit und Universalität eine große Rolle. Mit seinen Meditationssteinen besann sich der 2010 verstorbene Bildhauer auf frühe kultisch-religiöse und mythisch-symbolische Funktionen steinerner Mäler, Opfer- und Gedenksteine. Er erschuf Skulpturen, die eine Aura umgibt, eine spirituelle und geistige Erweiterung, die sein Werk mit nur wenigen seiner Zeitgenossen verbindet. Am ehesten ist Prantls Oeuvre an Constantin Brancusis vergeistigte und archetypische Arbeiten geknüpft, die für ihn impulsgebend waren. Ganz im Sinne moderner Skulptur-Parameter verzichtet Prantl, wie schon Brancusi zuvor, auf den Sockel, bezieht den Umraum in sein Werk mit ein und arbeitet materialgerecht.

Dem Titel nach vermittelt der westliche und östliche Traditionen vereinende „Stein zur Meditation“ des mit dem ZEN-Buddhismus vertrauten Bildhauers sowohl Ort, als auch Mittel eines Zwecks zu sein. Mit einer Ästhetik von Stille und Innerlichkeit vermag er als Instrument zur Kontemplation dienen, nicht zuletzt um die im Stein materialisierte Idee des Bildhauers zu begreifen. (Vgl. hierzu: Peter Weiermair in: Karl Prantl. Plastiken 1950-1972, Innsbruck 1973, S.3) Erst in der intensiven Auseinandersetzung damit erschließt sich das Werk, zielt ab auf körperliche und geistige Erfahrung und auf die Verbindung von Leben und Kunst. (Isabell Kneidinger)